last update: 21.09.2023  - Quellenverzeichnis aktualisiert

 

8.3 - Plattenspieler: Aufstellung und Justierung

"Schallplatten hören ist eine Frage der Einstellung!"

 

Themenübersicht dieser Seite:

  • Einführung 
  • Aufstellung eines Plattenspielers
  • Einführung: Bedeutung von Azimuth, VTA/SRA und Spurfehlwinkel 
  • Azimut
  • VTA/SRA (Eintauchposition)
  • Tangentialer Spurfehlwinkel 
  • Kröpfung, Überhang 
  • Schablonen (inkl. Quellen) 
  • Tonkopf-Justierung mittels Schablone 
  • Auflagekraft / Auflagegewicht
  • Skating/Antiskating 
  • Quellenverzeichnis

 

Einführung

Die hier vorliegende Beschreibung habe ich im Rahmen meiner Homepage  für das Schallplatten-Lexikon (zum Thema Schallplattenspieler) erstellt.

 

„Es ist nun mal so wie es ist“: anders wie beispielsweise bei einer CD, bedeutet das Abspielen einer Schallplatte automatisch eine Auseinandersetzung mit altertümlicher,  störanfälliger Technologie. Das betrifft insbesondere das Tonabnehmer-System und die dazugehörige Abtastnadel. Mitunter auch mit Gleichlaufschwangungen.

 

Im WWW gibt es eine Vielzahl von Justage-Beschreibungen, die mir persönlich zum einen zu oberflächlich sind oder aber auch zu detailliert (bis hin zur Integral-Rechnung). Daher habe ich mich entschlossen, eine relativ einfache aber umfassende Dokumentation zur Tonarm- und Tonabnehmer-Justierung zusammenzustellen. Meine Zielgruppe ist nicht der ambitionierte  DIY-Hobbyist der seinen Schallplattenspieler komplett selbst baut, sondern eher der HiFi-Interessierte mit Vorkenntnissen, der ggf. schnell mal was nachlesen möchte, wie z.B. „Was war nochmal der VTA?“.

 

Die Quelle dieser Dokumentation ist  zum einem - logo-  das WWW aber auch diverse  Fachliteratur.  Wenn es notwendig ist, um tiefer in die spezifische Themen einzusteigen, werde ich die Quelle benennen.

 

An dieser Stelle möchte ich auch erwähnen, dass ich während meiner Recherchen einige WEB-Pages, Beiträge in Foren und Videos entdeckt habe, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen und mit sehr viel Know-How und Leidenschaft erstellt worden sind (s.u. Quellenverzeichnis).

 

Aufstellung des Plattenspielers (Tipps)

Bei der Aufstellung des Plattenspielers sind einige Aspekte zu berücksichtigen:

 

Der Plattenspieler sollte „im Wasser bzw. im Lot liegen", soll heißen, er soll waagrecht auf einem stabilen Untergrund aufgestellt werden. Gerade heißt in der Breite und Tiefe, sodass der Plattenteller nicht in Schieflage angetrieben werden muss und es durch ggf. zu geringen Gleichlaufschwankungen kommen könnte.

 

Tipp: mit einer Wasserwaage oder Libelle das Chassis in der Breite und Tiefe ausrichten und dann nochmals am Plattenteller nachmessen.

 

Ggf. sollte man das Gehäuse mit Dämpfern (gefederte

Füße, Stoßabsorber) ausstatten, falls man einen
                                                         Foto: Pinterest                                                      schwingenden Boden hat (z.B. einen Holzboden). Oder man stellt den Plattenspieler auf eine schwere Platte (Steinplatte) um Schwingungen am Chassis zu vermeiden. Alternativ kann man auch ein stabiles Rack oder eine separate Wandhalterung (Wandkonsole) verwenden.    

 

Der Plattenspieler sollte möglichst nicht von Lautsprechern beschallt werden, da dies u.U. zu Übersprechen, Klirren durch die Abtastnadel führen kann (Fachbegriff: Mikrofonie); aber eigentlich nur bei sehr lauter Musik bzw. sehr starken, niedrigen Frequenzen (z.B. starke Basstöne erzeugt durch einen Subwoofer). 

Das der Plattenspieler nicht direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein soll, versteht sich von selbst.

  

Ebenso sollte man kurze Kabelwege für das Audio-Kabel haben (zum Anschluss an Vorverstärker (PreAmp), Verstärker, Receiver) und einen Abstand zu den 220V-Stromkabeln haben (um 50Hz-Einstreuungen zu vermeiden).

 

Darauf achten, dass man gut abgeschirmtes (am besten doppelt abgeschirmtes) Audio-Kabel und gute Cinch-Stecker verwendet. Wenn man technisch versiert ist, kann man hochwertige Anschlusskabel selbst einbauen. Oftmals sind bei den Budget-Plattenspielern relativ schlechte Audio-Kabel und Billig-Stecker verbaut. 

 

Andere WWW-Quellen mit Tipps zur Aufstellung:

http://www.connect.de/ratgeber/plattenspieler-aufstellung-372639.html#

http://www.schiller-phono.de/de/spieler-aufstellen

http://www.radio-busch.de/voodoo.htm  (bezieht sich auf die komplette HiFi-Anlage)

 

Einführung: Bedeutung von Azimut, VTA/SRA und Spurfehlwinkel

Foto: hifi-forum.de
Foto: hifi-forum.de

Bevor es mit der Erklärung und Definition dieser Fachbegriffe weiter geht, kurz eine Einleitung um was es im Wesentlichen hier geht, bevor man ggf. völlig verwirrt ist. Also deshalb „Keine Panik auf der Titanik!“. 

 

Bei diesen Begriffen geht es darum, welche Position bzw. Winkel die Abtastnadel zur Tonrille haben sollte, damit man möglichst einen unverfälschten Klang erzielt. Jeder Fehlwinkel der Abtastnadel (Abweichung vom Idealwinkel) beeinflusst die Abtastung der Flankenschrift in der Tonrille (= Klanginformation). Eine Fehlstellung der Abtastnadel führt zu Verlust an Höhen und Tiefen und kann auch zu Verzerrungen (Klirren) führen.

Die Position der Abtastnadel in der Plattenrille: eine mögliche Fehlstellung der Abtastnadel kann in drei Ebenen vorkommen: 
- in der Vorderansicht:
   die Abtastnadel ist nach links oder rechts nicht genau im 90-Winkel zur Plattenoberfläche --> Azimut-Fehler (s.u.)

- in der Seitenansicht:

  die Abtastnadel ist  nach vorne (Vorspur) oder nach hinten (Nachspur) gekippt           --> positiver, negativer VTA /SRA (s.u.) 

- in der Draufsicht:

  die Abtastnadel ist in der Tonrille verdreht, d.h. nicht im Winkel zur Rillentangente   --> tangentialer Spurfehlwinkel (s.u.)

 

Ein Fehlwinkel kann durch verschiedene Ursachen entstehen, die in den folgenden Abschnitten beschrieben werden. Daher ist der exakte Einbau des Tonabnehmers und der Abtastnadel sehr wichtig. Dies ist Abhängig vom der Tonarm-Justierung,

dem Auflagegewicht und der Antiskating-Einstellung. Dies gilt insbesondere dann, wenn Komponenten (z.B. das Tonabnehmer-System) austauscht wurden.  

 

Umso genauer die Position und die Geometrie der Abtastnadel der Schneidposition und dem Schliff des Schneidstichels entspricht (gemeint ist der Schneidstichel beim Schneidvorgang der Pressmatrize), um so dichter ist die Tongenerierung am Original!    

 

Azimut

In der HiFi- Terminologie ist der Azimut (manchmal auch als Lateralbalance bezeichnet) die waagrechte Position des Tonabnehmers bzw. der 90° Winkel der Abtastnadel zur Schallplatten-Oberfläche (Azimut in Wikipedia).

 

Zur Einstellung und Kontrolle gibt es diverse Hilfsmittel, wie z.B. ein Geodreieck, eine durchsichtige Acryl-Schablone, eine aufgeklebte Bleistiftmine bzw. Zahnstocher oder auch ein kleiner Spiegel. 

 

In der linken Graphik kann man prinzipiell die Fehlstellungen (Schieflage links, gerade montiert, Schieflage rechts) des Tonabnehmer-Systems erkennen. Entsprechend der Position des Tonabnehmer-Systems steht die die Nadelspitze in der Tonrille.   

Ein schiefes Tonabnehmer-System bedeutet,  das die Abtastnadel nicht im  rechten Winkel zum Schallplatte  steht, d.h. die Nadel  taucht schräg in die Tonrille ein. Dadurch werden, z.B. bei Stereo-Schallplatten, die beiden Tonkanäle nicht sauber ausgelesen . Es kommt zur verringerten Kanaltrennung und die Folge sind Verzerrungen und das führt zu reduzierten räumlichen Abbildung des Klangbildes. 

Ein exakter 90° Winkel der Nadel in Bezug zur Plattenoberfläche ist daher anzustreben!

 

Das Foto zeigt eine starke Schieflage des Tonabnehmers. Ursache könnte beispielsweise ein verbogener Tonarm, eine verdrehte Headshell sein oder die Headshell wurde nicht richtig montiert. Möglicherweise liegt der Fehler auch am Tonarm-Gelenk oder der gesamte Tonarm ist verzogen oder ggf. schief montiert.


Tipp:

Optisch ist eine mögliche Schräglage der Headshell erkennbar, wenn man z.B. einen geraden Zahnstocher quer auf der Headshell anbringt. Dadurch wird ein möglicher Höhenunterschied in der Horizontale an den beiden Enden des Zahnstochers deutlicher sichtbar.    

 

Es gibt auch eine preisgünstige Universal-Schablone, um den Azimut und auch den VTA zu überprüfen. Eine Beschreibung dieser Schablone gibt es in meinem Blog "Azimuth-Fehler" vom 15.11.2018, klick HIER und in meinen Artikel "Mein  Zubehör", klick HIER (s. dort die Pos. 19). 

 

Profis ermitteln Abweichungen des Azimut mittels spezieller Messgeräte und Test-Schallplatten. Hier ein YouTuber "Audio-Freak" der solche Messsysteme präsentiert: klick HIER

 

VTA/SRA

Der VTA ist der Winkel des Nadellagers zur Schallplatten-Oberfläche gemeint, nicht der Winkel der Abtastnadel zur Plattenoberfläche (das ist der vertikale Abtastwinkel). Der VTA kann von Tonabnehmer-Hersteller gewollt unterschiedlich sein, liegt aber i.d.R. bei 20° (Quasi-Standard). Dieser Winkel ist durch die mechanische Konstruktion des Herstellers vorgegeben und kann nicht verändert werden.

Entscheidender (und auch veränderbar z.B. durch die Tonarmhöhe o. durch einen Unterlage) ist die Winkel-Position, "Vorwärtsneigung", der Abtastnadel zur Schallplatten-Oberfläche im bei nicht abgesenktem Zustand, den sogenannten SRA (Stylus Rake Angle).  Dieser ist von den Herstellern so vorgegeben, dass bei richtigem Auflagegewicht die Nadelspitze im abgesenktem Zustand senkrecht (im Lot) in die Tonrille steht. Sozusagen ist der Nadelträger der Abtastnadel „vorgespannt“, weil beim Aufsetzen der Nadel das Auflagegewicht gesamten Tonarms (Auflagegewicht = Tonkopf + Abtastsystem + Tonarm minus Ausgleichsgewicht) den Nadelträger etwas nach oben drückt. Im Sollzustand ist dann die Nadelspitze genau im Lot, wenn sie in der Rille eingetaucht ist.      


Parameter, die man als Anwender beeinflussen kann sind

a) das Auflagegewicht

und

b) der Tonarm-Winkel (dieser ist aber nur bei teuren High End- Tonarmen/-Plattenspielern einstellbar (Alternative: Ausgleich mit einer Matte auf dem Plattenteller oder Abstandsplättchen zwischen Tonkopf-Träger und dem Tonabnehmersystem. Dadurch verändert sich ja der Tonarm-Winkel und somit der SRA.       

 

Insbesondere ist  zu beachten, dass bei Abtastnadeln mit besonderen Nadelschliffen (z.B. Biradial, Shibata, FineLine,  Microridge, Van den Hul etc. ) bei Fehlwinkeln stärker zu Verzerrungen (Klirren) neigen, als bei den alten, sphärischen Nadelschliffen. 

 

 

Folgende Komponenten und Faktoren können einen Fehlstellung des SRA verursachen:

- verbogener Nadelträger (Cantilever)

- falsches Auflagegewicht  

- Herstellungsfehler im Nadelträger-System (sogenannte VTA-Fehler)

- Tonabnehmer-System nicht richtig montiert bzw. nicht richtig justiert

 

- falscher Tonarm-Winkel (der Tonarm soll i.d.R. parallel zur Plattenoberfläche liegen)

Tangentialer Spurfehlwinkel

Vorab: Um einen Spurfehlwinkel generell zu vermeiden haben die Konstrukteure den Tangential-Tonarm entwickelt. Schallplatten-Matrizen zur Herstellung (Pressen) von Schallplatten werden deshalb mit Tangential-Tonarmen geschnitten! 

Tangential-Tonarme führen die Abtastnadel in gleicher Ebene (Achse) über die Tonrille wie der Schneidstichel einer Schneidmaschine. Tangential-Tonarme vermeiden dadurch Abtastfehler, die bei Dreh-Tonarmen durch einen konstruktionsbedingten  Spurfehlwinkel auftritt (Details s.u.). 

 

Beim Schneiden des Tonsignals in die Matrize wird der Stichel tangential zu einer Lack- oder einer Kupferfolie geführt. Dadurch wird die Tonrille in einer Achse von außen nach innen geschnitten. 

 

Wird nun zur Abtastung ein Dreh-Tonarm verwendet, so wird der Tonkopf konstruktionsbedingt die Aufzeichnungsachse durch seine Drehbewegung verlassen.  Die Nadel des Tonabnehmers beschreibt einen flachen Bogen, also keine Gerade wie bei der Aufzeichnung. Die Abweichung zwischen dem tatsächlichen Winkel, mit dem der Tonabnehmer in der Rille steht und der „Aufzeichnungsachse“, nennt man den tangentiale                                                                                                                                              Spurfehlwinkel. Dieser Fehlwinkel kann bei Dreh-
                                                                                                                             Tonarmen durch konstruktive Maßnahmen minimiert aber
                                                                                                                             nicht gänzlich vermieden werden (siehe Überhang und                                                                                                                                      Kröpfungswinkel).

 

Das Bild links zeigt vereinfacht die Entstehung eines Spurfehlwinkels:

 

Die effektive Tonarmlange entspricht in etwa dem Abstand zwischen Plattenteller-Achse und der Drehachse des Tonarms.  Im Bereich der Einlaufrille ist der tangentiale Spurfehlwinkel gleich Null. Mit fortschreitender Drehbewegung verlässt die Abtastnadel die „Aufzeichnungsachse“ mit einem immer größer werdenden

Spurfehlwinkel. 

 

Quelle:  http://www.fairaudio.de/hifi-lexikon-begriffe/spurfehlwinkel-tangentialer.html

Auch inkorrekt montierte Tonabnehmern, insbesondere in Verbindung bei Abtastnadeln, mit speziellen Nadelschliffen (Biradial, Shibata, FineLine,  Microridge, Van den Hul, etc.) können zu hörbaren Verzerrungen führen, besonders im Endbereich der Rille  (kleinerer Radius, höhere Winkelgeschwindigkeit).  Der Spurfehlwinkel wird aber mit einem konstruktiven Trick minimiert, nämlich durch eine Kröpfung des Tonkopfs, alternativ durch eine S-förmige Biegung des Tonarms oder durch einen langen Tonarm mit 12 Zoll (ca. 305 mm) statt der üblichen 9 Zoll (ca. 229mm).  

  • 9 Zoll Tonarm: max. Spurfehlwinkel 2°, Klirrfaktor ca. 1%
  • 12 Zoll-Tonarm: max. max. Spurfehlwinkel 1°, Klirrfaktor ca. 0,5%

Die Abhängigkeit von Spurfehlwinkel, Klirrfaktor, Tonarm-Position usw. ist sehr schon in folgender Beschreibung (Schön-Schablone Typ2) dokumentiert: klick HIER .

 

Das linke Diagramm zeigt den jeweiligen tangentialen

Spurfehlwinkel der Abtastnadel zur Tonrille über den

gesamten Abtastbereich der Schallplatte.   

Die Y-Achse zeigt den Spurfehlwinkel in +/- in

Winkelgraden [°] und die x-Achse zeigt der jeweiligen

Schallplatten-Radius im Abtastbereich.  

Die beiden Nullpunkte sind hier sehr schön zu erkennen.

 

Hinweis: Die Maße in dieser Graphik sind nicht die realen

IEC/DIN-Norm-Maße, sondern sollen nur die

Zusammenhänge graphisch aufzeigen. 

 

Da Schallplatten bei der Herstellung grundsätzlich tangential geschnitten werden, sollte die Abtastnadel auch tangential geführt werden. Die Geometrie der Plattenteller-Position zur Position der Drehtonarme lässt das aber nicht zu. Deshalb wurde in den 30 Jahren von den Mathematikern Lofgren  und Bearwald unabhängig voneinander mathematische Grundlagen zur Tonarmoptimierung entwickelt. 

 

Loefgren optimiert, zumindest in seiner zweiten Publikation, die Minus-Abweichungen, also die zwischen den beiden Nulldurchgängen. Er legt die beiden Nulldurchgänge dafür auf 70,3 und 116,6 mm.

 

Baerwald optimierte die Plus-Abweichungen, also die vor dem äußeren und die nach dem inneren Nulldurchgang. Er legt die beiden Nulldurchgänge dafür auf 66,0 und 120,9 mm (von der Schallplattenmitte gemessen).

 

 

Kröpfung & Überhang

© Alfred Malejka
© Alfred Malejka

Wie bereits oben erwähnt dient die Kröpfung des Tonarms zur Reduzierung des Spurfehlwinkels. Die Kröpfung oder der S-förmiger Tonarm verursacht eine Verlängerung des Tonarms bei konstanter Lagerposition des Tonarms. Diese Längenänderung (Verlängerung) erzeugt einen sogenannten Überhang.  Der Überhang bedeutet lediglich, dass die Nadelspitze etwas über die Mittenachse der Schallplatte übersteht, wenn sich der Tonarm hin zum Schallplatten-Mittelpunkt bewegt.

 

Somit ergibt sich die effektive Tonarmlänge aus dem Achsabstand zwischen Tonarmlager und  dem Mittelpunkt des Plattentellers (Mittenachse) plus dem Überhang. Der Überhang und damit die effektive Tonarmlänge kann man verändern indem man das Abtastsystem im Tonkopflager verschiebt (daher gibt es die Längsschlitze im Tonkopflager bzw. in de Tonabnehmer-Befestigung!).

Um die richtige effektive Tonarm-Länge zu haben (sie hat ja auch einen Einfluss auf den Spurfehlwinkel) verwendet man Schablonen und mit der Verschiebung des Tonabnehmers entlang der Längsschlitze im Tonkopf, kann man eine genaue Justierung vornehmen

(vgl. dz. unten den Abschnitt „Tonkopf-Justierung“).         

Tonkopf-Justierung mittels Schablone

Mechanische Justierung des Tonabnehmer zur Minimierung des Spurfehlwinkels:  

 

Die Justierung erfolgt an 2 Punkten (1x im Innenbereich und 1x im Außenbereich)  des Abtastbereichs der  Schallplatte, bei dem der Spurfehlwinkel = 0 ist. Es sind genau die Positionen,  bei  denen sich die Abtastnadel  in exakter tangentialer Abtastposition befindet (die sogenannten Nulldurchgänge), d.h. die Abtastnadel ist genau in der Flucht mit der Rille.  

Oftmals ist im Lieferumfang eines Tonabnehmer-Systems eine Schablone mit dabei auf der die Nulldurchgänge exakt markiert sind. Auch gibt es diverse Universal-Schablonen beim HiFi-Händler  oder im WWW zu kaufen. Es gibt auch Portale die Schablonen kostenfrei zum Download anbieten (Beispiele s.u.)!

Man kann sich aber auch eine Schablone selbst anfertigen. Einfaches Millimeterpapier mit Markierungen bei den Nulldurchgänge auf Karton geklebt genügt hier.

 

Die IEC Norm schlägt folgende Nulldurchgänge vor: im Innenradius der Schallplatte bei 66 mm

 

und

im Außenradius der Schallplatte bei 120,9 mm.

Mit Hilfe eines speziellen Datenblatts (Tabelle) und einer Schablone kann man die optimalen Einstellwerte ermitteln: diese gibt es zum Download z.B. bei www.vono.ch/akustik/ersteHilfe/plattenspieler/ 

Praktisches Beispiel:

© Alfred Malejka
© Alfred Malejka

Schablonen zum Download

Schablonen kann man kaufen, sind aber m. E. sehr teuer. Aber im WWW findet man diverse Muster-Schablonen zum

Download.

 

Tipps:

1. - Drucken
      Bitte beachten das beim Drucken die Druck-Option "An Seite anpassen" ausgeschaltet ist, sonst wird die Schablone nicht        maßstabsgetreu ausgedruckt. Daher ist auf den Schablonen eine Längenskala mit drauf, damit man mit einem Lineal
       die Größe der ausgedruckten Schablone überprüfen kann. 

       Ich empfehle die Schablone auf möglichst dickem Papier auszudrucken, ggf. Fotopapier verwenden.
      Dadurch wird die Schablone etwas stabiler.

 

2. - Lochung 
       Mit einer Stecknadel kann man das Loch für die Plattenteller-Mittelachse ausstanzen. Legt unter den
       Ausdruck einen (weichen) Pappkarton, dann geht das Perforieren sehr leicht und man schützt gleichzeitig die Unterlage.

 

3. - Laminieren 
       Wer ein Laminiergerät besitzt kann die ausgedruckte Schablone laminieren, dann ist sie sehr stabil und die Gefahr
       die Abtastnadel zu beschädigen ist deutlich geringer.
    

Hier einige Beispiele/Quellen:

Auf dem Portal der Fa. Vono Labs (Schweiz) findet ihr eine sehr ausführliche Einführung, Tabellen, Schablonen

sowie eine Beschreibung zur Handhabung von Schablonen:

http://www.vono.ch/akustik/ersteHilfe/plattenspieler/

http://www.vono.ch/akustik/ersteHilfe/plattenspieler/AnleitungAudioPlattenspielerschablone.pdf

 

Auflagekraft / Auflagegewicht 

Das Auflagegewicht ist ein wichtiger Parameter für die Abtastung der Tonrille. Das Auflagegewicht wird im Datenblatt des Tonabnehmer-System angegeben und liegt durchschnittlich  im Bereich zwischen 1 - 3g, je nach Hersteller, System und Nadel-Typ. 

 

Die Einstellung erfolgt mit Hilfe des Ausgleichsgewichts am Ende des Tonarm-Systems. Das Ausgleichsgewicht kann üblicherweise über eine Drehbewegung nach vorne oder nach hinten verschoben werden und/oder es befindet sich auf einer Schienen die mit einer Feststellschraube fixiert wird. 

 

Beispiel eines Dreh-Tonarms (Bügel-Tonarm):

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: http://www.schiller-phono.de/de/tonarm-einstellen

 

Das obige Foto zeigt einen Bügel-Tonarm in der Seitenansicht:

 

Pkt. 1:  Das Tonabnehmer-System inkl. Tonkopf drückt mit seinem Gewicht (ca. 4-9 g ) die Abtastnadel auf die
             Schallplatten-Oberfläche.
             Z.B. der Tonabnehmer "OM 20" von Ortofon wiegt ca. 4 g und ein "Charisma V2" von Clearaudio wiegt ca. 9 g   


Pkt. 2: Am hinteren Ende des Tonarms sitzt das Ausgleichsgewicht und will das Tonabnehmer System nach oben drücken. 
             Es ist deutlich größer, massiver als das Tonabnehmer-System, weil es einen wesentlich kürzeren Hebel zur Tonarm-
             Drehachse hat.

Pkt. 3: der vordere Teil des Tonarms erzeugt, durch das komplette Tonkopf-System, ein Drehmoment in der
            Tonarm-Aufhängung (blauer Pfeil/Pkt. 3). Das Ausgleichsgewicht erzeugt ein entgegen gesetztes Drehmoment.
            Sind beide Drehmomente gleich groß, dann ist der Tonarm ausbalanziert und der Tonkopf/Abtastnadel schwebt über
            der Schallplatten-Oberfläche (das Auflagekraft wäre dann genau 0 p bzw. Nm.)

Pkt. 4: Mit Drehbewegungen kann man das Ausgleichsgewicht nach vorne oder nach hinten verschieben.

Pkt. 5: Durch die Drehbewegung des Auflagegewichts verändert sich der Hebel und damit das Drehmoment in der
            Tonarm-Aufhängung. Dadurch ist die Auflagekraft (im Volksmund "Auflagegewicht") der Abtastnadel einstellbar und
            kann somit auf den empfohlenen Sollwert justiert werden (Sollwert = die empfohlenen Auflagekraft gemäß des
            Tonabnehmer-Datenblatt, meist so zwischen 1 - 3 p je nach System/Hersteller.

 

 

Einstellungstechniken

A) gemäß der Plattenspieler-Betriebsanleitung

      Die genaue Vorgehensweise der Tonarm-Justierung steht in der Betriebsanleitung des Plattenspielers.

      Das Prinzip ist aber bei fast allen Plattenspielern gleich:
      Das Antiskating wird auf "0" gestellt (ausgeschaltet). Dann wird der Tonarm ausbalanziert ("schwebender Zustand") und
      der Skalenring am Ausgleichsgewicht (Balancegewicht) wird auf "0" gedreht. Dann wird das Ausgleichsgewicht in
      Richtung Tonarm-Achse geschraubt bis der Skalenring den gewünschte Auflagekraft anzeigt. Manche Tonarme habe
     statt eines Skalenrings am Ausgleichsgewicht ein zusätzliches kleines Stellrad mit entsprechender Skala zur Justierung
     der Auflagekraft.

     Anschließend wird die Antiskating-Kraft wieder auf den Sollwert eingestellt (Antiskating s.u.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                       Foto: Thorens

B) Justierung mit einer elektronischen Tonarm-Waage 

Am genausten einstellen kann man die Auflagekraft mit einer digitalen Waage. Diese Waagen sind mittlerweile recht günstig in Ebay oder bei Amazon zu bekommen (vgl. dz. meinen Eintrag in meinem Vinylen-Tagebuch (Eintrag vom 04.05.2016 ).Die Messgenauigkeit dieser Tonarm-Waagen liegt bei +/- 0,01 g!

 

(P.S.: ich habe diese Waage in der "eBucht" für unter 10€ gekauft) 

 

Hier ein Foto, das die Einstellung der Auflagekraft mit Hilfe einer digitalen Tonarm-Waage an einem Technics SL-2000 Plattenspieler zeigt.

 

Die Auflagekraft habe ich hier auf 1,75 p eingestellt.

 

Anschließend habe ich das Antiskating nachjustiert.

Skating/Antiskating (Seitenkraft-Kompensation)

Die Tonkopfkröpfung und die Reibung zwischen der Abtastnadelspitze und den Rillenwänden erzeugt eine zur Rille tangentiale Reibkraft.  Diese Kraft drückt den gesamten Tonarm in Richtung des Schallplatten-Mittelpunkt und erzeugt somit einen Drift. Diesen Drift nennt man in der Fachsprache „Skating“. Skating führt dazu, dass die Abtastnadel die innere Rillenflanke mir einer größeren Anpresskraft "ausließt" als die äußere Rillenflanke. Die Kröpfung ist notwendig um den sogenannte  Spurfehlwinkel auszugleichen.

 

Hier drei weitere Beschreibungen zum Skating:

1.) Zitat aus Elektrotechnik - Fachbildung Kommunikationselektronik 2, Westermann Verlag:

   "Durch die Kröpfung des Tonarms tritt beim Abtastvorgang ein Drehmoment auf, das den Tonarm zum Mittelpunkt dreht.

    Hervorgerufen wird dieses Drehmoment durch die Reibung zwischen Abtastnadel und Platte. Sie ist daher abhängig von
    der Auflagekraft und von der Nadelform"

    Faustformel: Wert der Antiskating-Einstellung (Kraft) = Auflagegewicht der Abtastnadel   

 

2.) Für Experten und HiFi-Freaks, hier die ingenieur-mäßige Erklärung: klicHIER 

3.) Auf Wikipedia.de innerhalb des Artikels über den Tonarm: https://de.wikipedia.org/wiki/Tonarm

 

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Das Skating verursacht also mehrere Probleme:
1.  die Tonrille wird nicht gleichmäßig ausgelesen --> Klangbeeinflußung!

2. die Abtastnadel wird an der Innenseite stärker beansprucht als die Außenseite --> unsymetrische Abnutzung der Nadel

3. die innere Flanke der Tonrille wird mechanisch stärker belastet --> unsymetrische Abnutzung der Schallplatte 

 

Ein tangentialer Tonarm erzeugt kein Skating, da sich der Tonkopf immer genau in der Spur zur Rille bewegt!

    Grafik: Edwin Steiner / Multimedia-Revue (VSRT)
   Grafik: Edwin Steiner / Multimedia-Revue (VSRT)

Diese Faktoren bestimmen im wesentlichen die  Skatingkraft Fs (siehe Graphik):

• vom Verrundungsradius der Nadel 

• der Nadelform (Schliff)

• dem Auflagegewicht

• der Abspielgeschwindigkeit

• der Winkelgeschwindigkeit 

• der Modulationsstärke der Rille (Reibkraft)

• vom Abspielverfahren (nass, trocken)

 

Das Skating führt zur einseitigen Belastung der Nadelspitze sowie an der innen liegenden Rillenwand und führt zu feinen Verzerrungen. Daher haben die Plattenspieler-Konstrukteure  ein Antiskating-System  entwickelt, das eine Gegenkraft zur Skatingkraft
erzeugt und dadurch wird das Skating eliminiert.          

                                                

 

              Hier zur Veranschaulichung ein Raster-Mikroskop-
              Foto, das dass Skating-Szenario aufzeigt.

Beispiele zur Demonstration des Skating/Antiskating zeigen diese beiden YouTube-Videos: klick HIER oder HIER.

 

Das Skating führt zur einseitigen Belastung der Nadelspitze sowie an der innen liegenden Rillenwand  (Flankenschrift)

Daher haben die Plattenspieler-Konstrukteure  ein Antiskating-System  entwickelt, das eine Gegenkraft zur Skatingkraft erzeugt und dadurch wird das Skating eliminiert.

 

In der Praxis  haben sich zwei verschiedene Antiskating-Methoden durchgesetzt:

  1. - Mechanik aus einem Hebel-Feder-System  (geschlossenes System). Bei dem geschlossenen System gibt es
      ein Stellrad mit einer Skala, mit der man die Antiskatingkraft stufenlos einstellen kann.
      Faustformel: 1p Auflagekraft = 1p Antiskating-Kraft

  2. - An einem Faden oder Bügel befestigtes Gegengewicht, das am hinteren Ende des Tonarms befestigt ist (ein
      sogenanntes offenes Antiskating-System). Das Gegengewicht wird so austariert, dass es genau die Kraft am Tonarm   
      erzeugt die zur Eliminierung der Skatingkraft benötigt wird.

Anmerkung:  Es gibt Test-Schallplatten die extra eine glatte Oberfläche besitzen. Damit kann man die Antiskating-
                         Justierung manuell einstellen. Der Tonarm darf sich bei laufender Testplatte nicht nach rechts oder nach links
                          wegdrehen. Ist dies der Fall, dann hat man die optimale Antiskating-Einstellung gefunden.

 

Tipp: Wie sollte ich das Antiskating einstellen? ---> YouTube Video: https://www.youtube.com/watch?v=loUSvJaVC1c

 

Antiskating-Systeme:


 

Hinweis:

Themenrelevant ist mein Blog "Plattenspieler-Tuning" vom 03.01.2019 

klick HIER.

 


Quellenverzeichnis

Online-Artikel

www.connect.de/ratgeber/geometrische-verhaltnisse-drehtonarm-justage-3199512.html 

www.schiller-phono.de/de/tonabnehmer-wissen

www.schiller-phono.de/de/tonarm-einstellen !!!

www.livingloud.de/justage.html

www.connect.de/ratgeber/tipps-plattenspieler-justieren-so-geht-s-1492618.html

www.topkaufmunich.com/index.php

www.plattenspieler-guru.de/plattenspieler-richtig-einstellen/#Kroepfung_und_Ueberhang_einstellen

www.simplyblack.net/WVC/Technical_F_wally.htm

fideliker.ocwev.de/technik_plattenspieler.htm

www7a.biglobe.ne.jp/~yosh/vta.htm

www.analog-forum.de/wbboard/index.php?thread/116940-tonarm-waagerecht-oder-leicht-fallend-einstellen/&pageNo=2

www.theanalogdept.com/index.html

vono.ch/akustik/ersteHilfe/plattenspieler/  (Schablonen zum Download)

www.rstaudio.de/vta-einstellung/ und www.rstaudio.de/tonabnehmer-azimut/

www.theanalogdept.com/tonearm_alignment.htm

 

Fachbuch

VINYL LEXIKON Frank Wonneberg, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag 

 

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