update: 13.08.2020

 

Plattenverkauf steuerpflichtig?!

 

Die Frage wurde schon mehrfach an mich herangetragen, ob ein Verkauf von Schallplatten/Plattensammlung steuerpflichtig ist. Daher habe ich die folgende Dokumentation zusammengestellt. 

 

Meine Dokumentation ist keine steuerliche Beratung!!!  Wenn man sicher gehen möchte, dann bitte im Zweifelsfall an einen Steuerberater wenden – oder ggf. auch mal beim Finanzamt nachfragen.

 

Einleitung

Hinweis:

Diese Dokumentation habe ich persönlich erstellt und die beschriebenen Fakten stammen größtenteils aus verschiedenen Internet-Quellen und ist relativ allgemein gehalten und ohne Gewähr! Daher möchte ich an dieser Stelle nochmals ausdrücklich darauf hinweisen, dass es ratsam sein kann, in einem konkreten Fall mit einem Steuerberater zu sprechen oder eventuell das zuständige Finanzamt zu kontaktieren! Dies ist auch deshalb ratsam, weil ich diese Dokumentation nur gelegentlich aktualisieren werde.  

 

Eins vorab: beim Verkauf und Handel von Schallplatten gibt es grundsätzlich zwei steuer-relevante Themenfelder, nämlich den privaten Handel (Privatverkauf) und den gewerblichen Handel von Schallplatten. Die nachfolgenden Aussagen und Szenarien gelten auch prinzipiell für den Verkauf anderer Sammelobjekte (wie z.B. CDs, Briefmarken, Bierdeckel, Figuren, Uhren ...) sowie von privaten Gütern (z.B. HiFi-Komponenten, Autos, Möbel, Kleidung, Schuhe, Werkzeuge, ...). 

 

Wichtig zu Wissen!

Generell unterscheidet der Fiskus zwischen dem andauernden Handel mit dem Ziel von Gewinnen (zeitlicher

Ankauf und Verkauf von Waren (s. dz. Kapitel 2 "Der gewerbliche Handel") und dem reinen privaten Verkauf zum Zweck der Veräußerung einer gebrauchten Ware (z.B. Verkauf des eigenen Autos). Im Privatverkauf gibt es eine Gewinngrenze pro Steuerjahr (das sind z.Zt. akkumuliert 600€) bis zu der man steuerfrei ist, aber darüber hinaus wird die Sache steuerpflichtig (mehr Details s. Kapitel "Der private Handel")!

 

Ein Bitte:

Falls jemand von Euch weitere Infos oder eigene Erfahrungen beisteuern kann, dann bitte via Kontaktformular melden (klick HIER). Wenn es für die Allgemeinheit der Sammler relevant ist, dann werde ich es hier eintragen.  

 

1. Der private Handel

Mit privaten Handel meine ich, wenn man privat eigene Schallplatten verkauft, d.h. der Verkauf von "Privat an Privat" oder von privat an einen Händler. Das kann persönlich im direkten Kontakt sein oder aber auf einem Flohmarkt, einer Schallplatten-Börse, Privatanzeigen in den Printmedien und sehr häufig aber über die bekannten Internet-Plattformen.

 

Hinweis: Im Internet ist nachzulesen, dass Finanzämter mitunter Internet-Plattformen analysieren (Beobachtungs-Software) oder auch schon auf Flohmärkten Verkäufer kontrolliert haben.  

 

Leider gibt es zu Steuern im Privathandel in den Internetquellen oftmals kein klare Aussagen, was wohl auch daran liegt, dass die Steuergesetzgebung Regelungen und Richtlinien beinhaltet, diese aber im allgemeinen nur für Finanzexperten verständlich sind. Davon abgeleitet gibt es bestimmte "Kriterien & Richtlinien", die letztendlich durch die Finanzämter herangezogen werden, aber doch einen gewissen Spielraum haben. Daher gibt es immer wieder Gerichtsurteile auf die sich Steuerberater und auch die Finanzämter berufen und beurteilen dann im konkreter Fall, ob eine Steuerpflicht vorliegt oder nicht.

 

Beispiel: Im Internet wird von einer Frau berichtet, die privat Kleidung ihrer eigenen Kinder über eine Internetplattform verkauft hatte. Soweit eigentlich nichts einzuwenden- aber- die Frau hatte mehr als 80 Verkäufe im Monat und da hat das Finanzamt erkannt, hier liegt kein privater Handel mehr vor, sondern erfüllt schon die Kriterien eines gewerblichen Handels

(oh je, kaum zu glauben aber leider im Internet nachzulesen ... )!  

 

1.1 Kriterien/Richtlinien zur Steuer-Relevanz beim Privatverkauf

Folgende Kriterien sollten erfüllt sein, um bei einem privaten Verkauf steuerfrei zu bleiben:

  • die Ware sollte mindesten 12 Monate im eigenen Besitz sein (ansonsten könnte ein gewerblicher Handel vorliegen
    und man unterliegt dem Einkommenssteuer-Gesetz --> Einkommenssteuer)
  • Waren die zu niedrigeren Preisen verkauft werden (Verkauf ohne Gewinn)
  • ein sogenannter Verkauf einer Sammlung "en-bloc" (d.h. komplette Sammlung in kurzer Zeit)
  • der erzielte Gewinn darf max. Betrag von 600€ pro Steuerjahr betragen, darüber hinaus dann steuerpflichtig (Einkommensteuer)
  • die Anzahl der Verkäufe muss in einem "üblichen Rahmen" liegen (Negativbeispiel s.o.). 
    Ich habe gelesen (lt. Stiftung Warentest), dass etwa 40 Verkäufe einer Familie im Jahr als Grenzwert zwischen privaten Verkauf und gewerblichen Handel beurteilt wird.
  • keine Zukäufe und Verkäufe über einen längeren Zeitraum 

Tipp: Bei intensiven Sammeln mit Kauf und Verkauf sollte ein Kleingewerbe angemeldet werden.

 

1.2 Szenarien des Privatverkaufs (Beispiele)

Verkauf einer kompletten Sammlung 

- Auflösung der eigenen Sammlung, Verkauf "en-bloc" oder in wenigen Teilen sollte m.E. steuerfrei sein

- Verkauf einer wertvollen Sammlung im Einzelverkauf und in Teilen, dies ist m.E. steuer-relevant, wenn dabei

   ein Ertragsüberschuss (Gewinn) über 600€ erreicht wird. Der Gewinn ist ein "Überschuss", wenn der Verkaufpreis der
   Sammlung oder Teile davon den Wert (der analysiert, geschätzt oder von einem Gutachter (Experten)
   ermittelt wurde) übersteigt. Liegt der Verkaufspreis darunter (was m.E. sehr häufig der Fall ist), dann wurde mit
   einem Verlust verkauft, das wiederum bedeutet, dass man keine Steuern zahlen muss.    
    

Geerbte oder geschenkte Sammlung verkaufen 

- hier ist u.U. eine Schenkungssteuer oder Erbschaftssteuer zu berücksichtigen. Dies hängt sicherlich von

  der Größe und Wert der Sammlung ab. Die Themen Erbschaftssteuer und Schenkungssteuer werde ich hier zu einem
  späteren Zeitpunkt dokumentieren. 

- Der anschließende private Verkauf erfolgt m.E. nach den o.g. Kriterien des privaten Verkaufs. 

 

 Kauf und Verkauf einer Sammlung 

- Ich kaufe eine komplette Sammlung und verkaufe dann ein Teil dieser Sammlung. Wenn dabei der Gewinn-Betrag größer

   600€ ist (Verluste und Aufwendungen (beispielsweise Versand) können dagegen gerechnet werden), dann ist das m.E.

   steuerpflichtig und der gesamte Erlös muss versteuert werden (Einkommenssteuer). Wenn aber der erzielte Gewinn unter

   600€ liegt, dann besteht keine Steuerpflicht. Entstehen unterm Strich Verluste, dann entfällt ebenfalls die Steuerpflicht. 
 

- Kaufe ich hin und wieder Sammlungen auf und verkaufe große Teile davon (z.B. auf Flohmärkten, Plattenbörsen, Internet)

  dann ist dies als gewerblicher Handel zu bewerten (Umsatzsteuer, Gewerbesteuer), weil hier eine wirtschaftliche,
  unternehmerische Tätigkeit vorliegt. Dies ist mit Sicherheit der Fall, wenn der Gewinn die 600€-Grenze übersteigt und die 
  Ware beispielsweise unter 12 Monaten im eigenen Besitz war.  

 

Verkauf an Händler 
Verkaufe ich privat Schallplatten an einen Händler (z.B. Schallplatten-Geschäft), dann wird keine Mehrwertsteuer (Umsatzsteuer) entrichtet. Dieser Verkauf wird steuerlich so eingestuft, als wenn wie ich an eine Privatperson verkaufe. 

 

Verkauf auf Flohmärkte, Börsen und via Internet

Werden selbst erworbene Güter auf einem Flohmarkt, Plattenbörse oder auf einer Internet-Plattform zu einem niedrigeren Preis als dem Einkaufspreis verkauft, dann sind die Verkäufe nicht steuerpflichtig, wenn diese Verkäufe nur gelegentlich 

stattfindet (Wie bereits oben schon mal erwähnt, eine Steuerpflicht (!) besteht aber dann, wenn Waren gekauft und  mit Gewinn weiterverkauft und/oder solcher Warenhandel regelmäßig und mit der Intention Gewinne zu erzielen, erfolgt).

 

2.  Der gewerbliche Handel 

Wie im ersten Abschnitt nachzulesen, so sollten Sammler die intensiv Ankaufen, Verkaufen (z.B. im Internet, auf Plattenbörsen, Flohmärkten) einen Gewerbeschein haben. Man kann ein Kleingewerbe anmelden und sich von einigen Steuern befreien lassen.

 

Gewerbetreibende, deren Jahresumsatz (genauer: Summe der umsatzsteuerpflichtigen Betriebseinnahmen) von z.Zt. 17.500€ im Jahr und im Folgejahr nicht 50.000€ übersteigt, können sich von einigen Steuern, wie z.B. die Gewerbesteuer, Umsatzsteuer, andere Unternehmenssteuern, befreien lassen, nicht aber von der Einkommenssteuer. Man spricht hier von sogenannten Kleinunternehmern oder von Kleingewerbetreibende.  

 

Ein Gewerbe meldet man bei der Gemeindeverwaltung an (viele Gemeinden bieten dazu Formulare zum Download an). Das zuständige Amt (Gewerbeamt oder Ordnungsamt) leitet die Anmeldung zusätzlich an die zuständige Kammer (z.B. Industrie und Handelskammer, Handwerkskammer (Zwangsmitgliedschaft!)) sowie an das zuständige Finanzamt weiter. Diese Behörden kommen dann auf einen zu mit den entsprechen Meldeformulare, Gebühren etc..  

 

Mehr zu diesem Thema möchte ich hier aber nicht hinzufügen, denn im Internet gibt es einige spezifische Quellen. Daher habe ich zum Einstieg und Vertiefung zum Themenkomplex  "Gewerbe, Kleingewerbe" lediglich weiter unten, im Abschnitt "Quellen-Nachweis", einige Links beispielhaft eingetragen.   

 


3. Weitere Quellen/Quellen-Nachweise

 

A) Privater Handel 

1.  Stiftung Warentest (06.2017)www.test.de/Privatverkaeufe-auf-Ebay-Co-So-vermeiden-Sie-Steuerfallen-5179756-0/

 

2. Focus.de (09.2018): klick HIER  

 

3. Portal FINANZTIP.DE: https://www.finanztip.de/steuerfolgen-onlineverkauf/

4. Lohnsteuerhilfe Bayern (lohi) 

    https://www.lohi.de/news/article/privatverkauf-im-internet-wo-sind-die-steuerlichen-grenzen.html

 

5. Smartsteuer.de: https://www.smartsteuer.de/online/steuertipps/onlinehandel-und-privatverkaeufe/

 

6. DISCOGS.COM, Thread vom 06.11.2016: https://www.discogs.com/de/group/thread/470722

 

7. FINANZFRAGE.NET: https://www.finanzfrage.net/g/frage/steuern-auf-den-verkauf-meiner-briefmarkensammlung

 

8. Betriebsausgabe.de: klick HIER 

 

9. Steuerberatung Haffner/Berlin:  https://www.steuerberater-haffner.de/wissenswertes/politik/flohm%C3%A4rkte/

 

10. Quicksteuer.de: klick HIER

 

11. Taxfit.de  (07.2020):  www.taxfix.de/steuertipps/ebay-steuern-zahlen-privat-oder-gewerblich/

 

 

B) Gewerbliche Handel / Kleingewerbe

1. Leitfaden von Kleingewerbe.de:  www.kleingewerbe.de/index.htm  &   www.kleingewerbe.de/steuerpflichten.htm

 

2. Portal Kleinunternehmer.de: www.kleinunternehmer.de/

 

3. Ratgeber "Gewerbe anmelden": https://www.gewerbe-anmelden.info/kleingewerbe/steuern.html

 

 

 

Glossar

Einkommensteuer: https://de.wikipedia.org/wiki/Einkommensteuer_(Deutschland)

 

Umsatzsteuer / Mehrwertsteuerhttps://de.wikipedia.org/wiki/Umsatzsteuer_(Deutschland)

 

Umsatzsteuerpflichtige Betriebseinnahmen: klick HIER

 

Erbschaftssteuer: de.wikipedia.org/wiki/Erbschaftsteuer_in_Deutschland

                                  www.sparkasse.de/themen/erben-vererben/steuerklassen-freibetraege-erbschaftssteuer.html

 

Schenkungssteuer: www.financescout24.de/wissen/ratgeber/schenkungssteuer

 

Gewinn/Ertragsüberschuss: https://de.wikipedia.org/wiki/Gewinn

 

Fiskus/Fiscus: https://de.wikipedia.org/wiki/Fiskus