Half Speed Recording

In den 1970er bis in die späten 1980er-Jahre gab es einige Plattenfirmen, die für die Interessenten klanglich hochwertiger Produktionen, sogenannt audiophile Alben auf den Markt gebracht haben. Dazu wurde das Half Speed Recording angewendet, ein spezielles Verfahren zur Herstellung (Schnitt) von Press-Matrizen mit sehr guter Wiedergabe-Qualität.

Bekannt für Schallplatten-Produktionen mit der Verwendung des Half-Speed-Verfahrens war das Label MFSL (klick HIER). MFSL konzentrierte sich dabei erfolgreiche Alben, erwarb die Lizenzen für die Master-Tapes, mischte die Alben neu ab und 

schnitt eine neue Master-Matrize in Half-Speed. Hinzu kam dann noch die Verwendung eines verbesserten Vinyls zur Schallplatten-Pressung und erhöhten Gewicht (175-180g), sowie die Verwendung antistatischer Innenhüllen - fertig war das audiophile Album. 

 

Nach heute werden diese Alben von audiophilen Plattenliebhabern gesammelt und im Second-Hand-Markt werden sehr hohe Verkaufspreise erzielt.  

 

Das Half Speed Recording (Half Speed Mastering)

Half Speed Recording  war eine besondere Schneide-Technik bei der Herstellung der Master-Matrize. Dies führt zur  Verbesserung der Tonqualität bei der Wiedergabe (Abspielen der Schallplatte). 

 

Wie funktionierte Half Speed Recording?

 

Die herkömmliche Schneidetechnik

Die Tonrillen herkömmlicher Langspielplatten werden mit 33 1/3 Umdrehungen/Minute in die Master-Matrize geschnitten. Matrizen schneiden ist ein sehr komplexer elektromechanischer Prozess, denn aus den elektronischen Klanginformationen, des Master-Tape, werden in Echtzeit die Steuersignale generiert, verstärkt und an die Elektromechanik  des Schneidestichel weitergegeben. Konsequenter Weise stößt man bei sehr hohen Frequenzen an die Grenzen der Klangtreue, bedingt durch die Massenträgheit des Schneidestichels und der benötigte Kraft zum Schnitt der Kupferfolie bzw. Lackfolie. Der Schneidestichel soll ja möglichst verlustfrei und ohne Verfälschungen die Klanginformation in die Tonrille hinein-modulieren (schneiden).  

 

Half Speed =  Schneiden mit 16 2/3 Umdrehungen/Minute 

Beim Half Speed Recording wurde die Schneidapparatur mit einer geringerer Geschwindigkeit, nämlich mit 16 2/3 Umdrehungen/Minute, statt der üblichen 33 1/3 Umdr./Minute betrieben. Die Schnittgeschwindigkeit wurde also genau halbiert und daher kommt auch die Bezeichnung Half Speed Recording. Das hat natürlich zur Konsequenz, dass das Master-Tape ebenfalls mit halber Geschwindigkeit abgespielt werden musste. Somit hatte der Schneidestichel ein Viertel mehr Kraft und mehr Zeit, die Klangsignale noch exakter in die Master-Matrize zu schneiden, dass zu einer wesentlich verbesserten Modulation führte. Der Scheidestichel ritzte somit die Klangänderungen viel genauer in die Rillen. Daraus resultierte ein genauerer Frequenzgang, es entstanden weniger Verzerrungen, ein besseres Einschwingverhalten und das Ergebnis war mehr Dynamik. Somit ist beim Abspielen einer Half-Speed-Platte die Klangreproduktion noch dichter am Original, als bei Schallplatten, die mit herkömmlich geschnittenen Matrizen gepresst wurden. 

 

Dementsprechend waren auch komplexe und laute Passagen besser in der Tonrillen abbildbar. Normalerweise werden Begrenzer und Kompressoren eingesetzt, die den Frequenzgang einschränken. Dadurch wird beim Rillenschneiden  Platz auf der Matrize eingespart (dadurch passt mehr Musik auf die Matrize) aber auf Kosten der Dynamik und der Klangtreue. Der mögliche Verzicht auf Begrenzer und Kompressoren, zugunsten einer möglichst originalgetreuen Wiedergabe und Dynamik, war das Große Plus der Half-Speed-Technologie.

  

Warum wurden nicht generell die Master-Matrizen in Half-Speed-Technik geschnitten?

 

Die Tonträgerindustrie verzichtete damals aus ökonomischen Gründen, weil beispielsweise weniger Klanginformationen auf eine Schallplatte-Seite passten. Für den Massenmarkt war man nicht bereit, Mehrkosten für diese Art von Klangoptimierung dem normalen Plattenkäufer aufzubürden. Vielmehr hat man das Half-Speed-Recording als besonderes Leistungsmerkmal vermarktet und nur für audiophile Platten-Produktionen eingesetzt.  

Historie des Half-Speed-Recording:

Bereits in den 1960er-Jahren hatte DECCA das Half-Speed-Verfahren u.a. in seiner SXL-Serie (Klassik-Alben) eingesetzt. Zum Ende der 1970er produzierte dann MFSL (Label aus den USA) einige audiophile Pressungen ("MFSL-Original Master Record") bekannter Alben in Half-Speed. Anfang der 1980er folgte dann Columbia/CBS mit einer Staffel seiner bisherigen Besteller als audiophile Pressung in Half-Speed-Technik. Auch A&M (Canada) und Cube/Teldec (Deutschland)  brachten ebenfalls einige Alben als Halfspeed-Pressung auf den Markt. Aber all diese Versuche, Schallplatten in Half-Speed-Recording, im großen Stil zu verkaufen blieben relativ erfolglos, sodass "Half-Speed-Schallpatten" nur von einer kleinen Gruppe von audiophilen Liebhabern gekauft wurden (Nieschenmarkt).

 

Heutige audiophile Pressungen (z.B. von Alto, Classic Record, Simply Vinyl, Speakers Corner) haben das Halfspeed-Verfahren durch eine andere Schneide-Technik abgelöst (wieder in Echtzeitschnitt aber mit verbesserter Equalisation). 

 

Interessanterweise wird das Half Speed Recording von den Abbey Road Studios  in London heute wieder verwendet ( s.u.)!

 

Beispiele von Half-Speed-Alben

Hier ein paar Beispiele von Half-Speed-Produktionen: 

- diverse MFSL-Produktionen, z.B. Allan Parson Project - I Robot (klick HIER)

- alle 15 Vinyl-Alben der Highlights-Serie der Zeitschrift stereoplay  von 1981-1984 (klier HIER)

-  Alben der audiophilen Serie von A&M Records (klick HIER), z.B. Supertramp - Breakfast in America (CAN 1979, A&M
   Records (klick HIER

- Blood Sweat and Tears - 2nd Album (USA 1980, Direct Disc Labs), klick HIER

 

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Weitere Quellen zum Half-Speed-Recording:

Interview von Miles Showell & Sean Magee (Master Engenieer) / Ton-Ingenieure bei den Abbey Road Studios

http://www.musictech.net/2016/06/miles-showell-interview-half-speed-mastering/

https://www.youtube.com/watch?v=AjjgPVipuXc&t=517s

https://www.youtube.com/watch?v=_Xe_d-FAqtQ

https://www.youtube.com/watch?v=03ZyyfrEBnI

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Hans Joachim (Montag, 19 Februar 2018 21:42)

    Hallo Alfred,
    sehr informativer und interessanter Artikel! Wenn man audiophile LP‘s mal selbst
    gehört hat, kommt man schwer davon los! Die nächste Plattenbörse kommt bestimmt! ;-)) Bis dahin, Gruß Joachim