last update: 11.02.2019 (Mono, Stereo, Quadro, Kunstkopf, RIAA-Kurve)

 

1.- Die Schallplatte

Überblick

1.1 - Die Schallplatte (ein Tonträger aus Vinyl=Polyvinylchlorid)

1.2 - Vor- und Nachteile eine Schallplatte

1.3 - Struktur und Elemente einer Schallplatte

1.3. - Das Schallplatten-Etikett, LP-Label (Plattenaufkleber)

1.5. - Gimmicks auf Schallplatte

1.6. - Die Picture Discs

1.7. - Die Schallplatten-Formate:

1.7a - Die Langspielplatte (LP)

1.7b. - 7"-Single

1.8. - Klangtechniken der Schallplatte (Mono, Stereo, Quadrofonie, Kunstkopf-Stereofonie/Binaurale Tonaufnahme)

1.9. - RIAA/RIAA-Kurve

1.10. - Direct Metal Mastering (DMM)

1.11. - Half Speed Recording / Half Speed Mastering

1.12. - Direktschnitt / Direct Disc Recording (direct-to-disc, direct-cut)

1.13. - Mastering (Audio-Mastering)

1.14. - Remastering / Remix (analog, digital)

 

1.1 - Die Schallplatte (ein Tonträger aus Vinyl = Polyvinylchlorid)

Einleitung 

Erfunden hat die Schallplatte der Deutsche Emil Berliner in den USA, der dort auch 1887 das Patent anmeldete. Zunächst bestand die Schallplatte aus Hartgummi, später aber aus einem Verbund aus Baumwollflocken, Schieferpulver, Ruß und Schellack. 

 

Die Vinyl-Schallplatte wurde als Nachfolger der Schellack-Platte bereits in den 1930er in den USA entwickelt aber es dauerte noch bis etwa Ende der 1950er, bis es zum großen Durchbruch auf den nationalen und internationalen Märkten. Verursacht wurde die späte Verbreitung durch fehlende Standards bzgl. des Formats (Durchmesser), Abspielgeschwindigkeit und Abspielformat (Stichwort RIAA-Kurve). 

 

Der heute vielfach benutzte Begriff Vinyl als Synonym für die Vinyl-Schallplatte wird aus der Materialbezeichnung Polyvinylchlorid (PVC) abgeleitet. Die Entstehungsgeschichte der Vinyl-Schallplatte kann sehr umfangreich auf Wikipedia nachgelesen werden (klick HIER).

 

Die Vorteile der Vinyl-Schallplatte gegenüber der damals verbreiteten Schellackschallplatte, lagen im geringeren Materialpreis (PVC war deutlich billiger als Schellack), sowie im geringeren Gewicht und die Vinyl-Schallplatte war relativ flexibel (eine Schellackplatte ist vergleichbar mit Glas, sie ist sehr spröde, relativ schwer und lässt man sie versehentlich fallen, dann kann sie zerbrechen). 

 

Allerdings hat auch die Vinyl-Schallplatte einige Nachteile, wie z.B. die empfindliche Oberfläche (Stichwort Kratzer, Hairlines oder die Verschmutzung durch statische Aufladung). Hinzu kommen noch weitere Nachteile, aber auch  Vorteile, wenn man die Schallplatte mit einer CD (Compact Disc) oder digitalen Streams vergleicht (weitere Details s.u. im Abschnitt "Vor- u. Nachteile").

 

Mit dem Aufkommen der CD wurde die Schallplatte in einen Marktnische gedrängt. Viele Presswerke wurden geschlossen. 

Seit etwa 2012/2013 erlebt die Schallplatte eine gewisse Renaissance (teilweise als Kultobjekt bzw. als Modeerscheinung) 

aber relativ zu den Umsätzen der CD und dem stark anwachsenden Steaming (im Jahr 2018 hat erstmals das Streaming mehr Umsatz generiert als die CD-Verkäufe, ebenso in 2018 ging erstmalig der Verkauf von Vinyl-Schallplatten etwas zurück), bleibt die Vinyl-LP nach wie vor ein Nischenprodukt (vgl. dz. die Jahresrückblicke in Zahlen der deutschen Musikindustrie, klick HIER). 

 

Weitere Quellen zur Geschichte der Schallplatte:

Wikipedia: klick HIER

Braunschweiger Plattenmuseum: klick HIER

Sender NDR: klick HIER

 

Material, Aufbau, Farbe

Zunächst wurde die Vinyl-Schallplatte nur aus schwarzen PVC gepresst. Erst sehr viel später wurden dann auch (ein-)farbige Versionen hergestellt, z.B. in rot, blau, gelb, orange, weiß, usw.. In den 1970er und 1980er wurden dann auch LPs mit transparenten Farbkombinationen oder auch mit farbigen Vinyl-Strukturen (marmoriert) gepresst (Beispiele farbiger Vinyl-Schallplatten gibt es HIER). Ende der 1960 kamen dann auch die in der heutigen Form bekannten Picture Disc (vgl. dz. das MINT-Magazin Nr. 17 vom Dez. 2017).

 

Die klassische Vinyl-LP besteht aus einer homogenen PVC-Scheibe (30cm im Durchmesser) mit einem Papier-Etikett (Label genannt, 100mm im Durchmesser) und einem Zentrierloch (8mm Durchmesser). Hergestellt wird die Schallplatte in dem man auf einen herhitzten Vinyl-Puck (runder Vinyl-Klumpen) oben und unten ein Etikett auflegt und dann mit zwei Pressmatrizen (Oberseite und Unterseite) fest zusammenpresst. In die silbernen Pressmatritzen hat man zuvor die Rillen (als Negativ) eingepresst und durch galvanische Prozesse für den Pressvorgang haltbar gemacht.   

 

Eine Picture Disc dagegen besteht aus unterschiedlichen Material-Lagen (Folie> Foto> Vinyl-Kern <Foto <Folie), die dann ebenfalls mit einem Matrizen-Paar (Ober- und Unter-Seite) zusammengepresst werden.      

 

1.2 - Vor- und Nachteile einer Schallplatte

Vorteile:    - angenehmer, natürlicher Klang 

                    - relativ einfache Handhabung
                    - große Auswahl an Abspielgeräten (Plattenspieler und Phono-Vorverstärker von billig bis extrem teuer)
                    - wenig Klangverlust über die Zeit, da mechanische Tonrille
                    - Haptik

 

Nachteile:  - empfindliche Oberfläche (Hairlines, Kratzer, Schmutzablagerungen in Tonrille) 

                     - negative Klangeinflüsse durch Knistern, knacksen, rauschen (bedingt durch stat. Aufladung --> Verschmutzung)
                     - Reinigung von Zeit zu Zeit notwendig inkl. Abtastnadel und auch von Zt. zu Zt. die Plattenspieler-Oberseite
                     - keine Fehlerkorrektur 
                     - relativ kurze Spieldauer pro Seite

                     - Verschleiß der Abtastnadel, defekte Abtastnadel kann u.U. die Tonrille (Flankenschrift) beschädigen
                     - Mittelbohrung kann verschleißen
                     - empfindliches Platten-Etikett (meist aus Papier)
                     - Wärme-Empfindlichkeit: Vinyl ist nicht hitzebeständig (LP vor Sonnenbestrahlung schützen, sonst Gefahr
                        von Beulen und Wellen,  Umgebungstemperaturen > 40 Grad vermeiden!!!)

                     - Größe und Gewicht (großer Platzbedarf, bei größeren Sammlungen, ggf. auch Gewichtsprobleme)

                     - Nicht löschbar bzw. nicht wieder-bespielbar (im Vergleich zum Tonband, Compact Cassette oder CD-RW)

 

Trotz der vielen Nachteile (insbesondere im Vergleich zur CD) bin ich ein großer Fan der Vinyl-Schallplatte!

Es ist einfach die gesamte Album-Haptik (Platte und Hülle), die dazugehörende Cover Art (klick HIER) sowie der analoge Klang. All das begeistert mich immer wieder aufs Neue.

1.3 - Struktur und Elemente einer Schallplatte

Die Rillen-Struktur 

Betrachtet man sich eine Schallplatte mal etwas genauer, dann wird man einige Details erkennen. Das sind zum einem  

die Tonrillen, die  durch glatte Rillen umrahmt sind. Die glatte Rille ganz außen ist die sogenannte Einlaufrille. Hier wird der 

Tonabnehmer bzw. die Tonnadel zum Start aufgesetzt. Dann läuft die Tonnadel in die erste Tonrille ein. Ist der erste Titel abgespielt, dann wird die erste Leerrille erreicht. Die Leerrillen dienen zur optischen Identifikation der einzelnen Musikstücke. Dadurch hat man die Möglichkeit die Tonnadel zum Start eines beliebigen Musiktitel gezielt aufzulegen. 

Sind alle Titel abgespielt, dann erreicht die Tonnadel den innersten, glatten Ring die sogenannte Auslaufrille (in der Fachsprache als "Spiegel" oder auch als "Dead Wax" bezeichnet). 

 

Der Spiegel (Heimat der Matrix)

Schaut man sich den Bereich der Auslaufrille genauer an, so erkennt man diverse Markierungen (Kurztexte, Buchstaben-/Nummer-Kombinationen und ggf. auch Initialien. Diese Zeichen wurden bereits zuvor von Hand auf die Pressmatrize eingekratzt (etched) oder aufgestempelt (stamped). Die Zeichenkombination ist die Matrix (die Katalog-/serien-Nummer (manchmal die gleiche Nr. wie auf dem Cover plus Code des Presswerks etc.), plus der Identifikation der Seite (A = A-Seite und B = B-Seite). Manchmal ist auch das Produktionsland , z.B. "Made In Germany" mit angegeben. Initialen können dem Toningenieur oder dem Produzent der "Ur-Matrize" (Vater) zugeordnet werden. 

 

Somit ist verständlich, dass weltbekannte Schallplatten berühmter Interpreten mit den unterschiedlichsten Matrix-Bezeichnungen zu finden sind. Insbesondere dann noch mehr Versionen, wenn diese LPs mehrfach neu abgemischt wurden

(berühmtes Beispiel: "Pink Floyd - Dark Side of The Moon"  über 360 verschieden Vinyl-LP-Versionen sind auf Discogs gelistet!!!)   

  

Länge der Tonrille:

Laienhaft ausgedrückt hat eine Schallplatte "unzählige Rillen", aber Fakt ist, dass die Schallplatte auf jeder Seite nur eine Rille besitzt, die spiralförmig in die Schallplatte eingepresst wurde. Ich habe mal ausgerechnet, wie lang in etwa eine Tonrille ist. Wird eine LP-Seite komplett abgespielt, dann hat eine Tonnadel (je nach Spieldauer) in etwa eine Strecke von ca. 300-500 Meter zurückgelegt (ich selbst hab' mal ausgerechnet, dass bei einer angenommen Spieldauer von 20 Minuten bei 33 1/3 U/Min. die Rille eine Länge von ca. 460,5 Meter hat). Berücksichtigt man dann noch die zweite Seite, so kommt man in Summe auf die Stecke von 600-1000 Meter, was ja dann schon im Bereich eines halben bis ganzen Kilometers liegt!!!     

 

Gewicht und Abspielgeschwindigkeit

Das Gewicht einer "normalen" Schallplatte liegt bei ca. 110-120g. Es gibt auch Sonderausgaben, sogenannte "Heavyweight Vinyl" die dann ca. 180g, selten sogar um die 200g wiegen können. Die "Heavyweight" ist besonders in den letzten Paar Jahren populär geworden. Meist ist das "Übergewicht" als besonderes Qualitätsmerkmal auf einem Aufkleber vermerkt.   

Das Verkaufsargument ist eine bessere Klangqualität durch mehr Masse, d.h. mehr Stabilität durch weniger mechanische Schwingungen (Vibrationen).

 

Die Standard-Abspielgeschwindigkeit liegt bei 12"-LPs bei 33⅓ Umdrehungen/Minute (im englischen als rpm bezeichnet rotation per minute) und bei 7"-Singles 45 Umdrehungen/Minute. Es gibt auch auch vereinzelt 12"-LPs die für eine Geschwindigkeit von 45 Umdrehungen/Minute ausgelegt wurden. Durch die erhöhte Geschwindigkeit wird das Grundrauschen reduziert, d.h. diese Technik benutzt man daher oft bei "Audiophilen-Pressungen" in Verbindung mit 180g-Vinyl. Nachteil ist aber dabei, dass weniger Spielzeit auf eine Plattenseite passt und diese Alben dann als DoLP erscheinen müssen - spontan fallen mir dazu diverse Alben von Peter Gabriel's Plattenlabel REALWORLD  ein und beispielsweise das audiophile Album "Friedemann - The Master Tracks" (GER 2015) vom Plattenlabel Biber Records. 

 

Sehr alte Plattenspieler haben noch die Möglichkeit 78er-Platten (Platten, die für eine Abspielgeschwindigkeit von 78 Umdrehungen/Minute ausgelegt sind) abzuspielen. Dies Abspielgeschwindigkeit war der Standard bei Schellack-Schallplatten. Somit war der Besitzer solch eines Plattenspielers in der Lage, seine alten Schellack-Platten und die damals neu aufkommenden Vinyl-Schallplatten auf einem Plattenspieler abspielen zu können. Heutzutage spielt diese hohe Abspielgeschwindigkeit keine Rolle mehr und daher bieten alle modernen Spieler nur noch 45 bzw. 33⅓ Umdrehungen/Minute an.

 

Tonwiedergabe einer Schallplatte

Einen umfangreichen Online-Artikel zur Wiedergabetechnik der Schallplatte (Messtechnik, Einfluß des Plattenspielers usw.) findet man auf der Homepage von David Messinger/Österreich: http://www.hifiaktiv.at.xserv08.internex.at/?page_id=147

 

Tipp:

Für Technik-Freaks: Demo-Video über Schallplattenabtastung unter einem Mikroskop --> klick HIER  (Youtube),

(ab Position 4:20 [min:sek] im Video zu sehen; ebenso im Video zu sehen: eine CD und DVD unter einem Mikroskop)

 

Technik-Artikel zur Tonerzeugung einer Schallplatte: http://www.fl-electronic.de/analog/schallplattenwiedergabe.html

1.4. - Das Schallplatten-Etikett, LP-Label (Plattenaufkleber)

Zunächst eine kurze Begriffsklärung: Mit dem Begriff Label oder Plattenlabel meint beispielsweise ein Musiker einen Musikverlag. Der Schallplattensammler versteht unter dem Begriff Label das "Schallplatten-Etikett" (so die deutsche Bezeichnung; der runde Aufkleber in der Mitte einer Vinyl-Schallplatte). 

 

Folgende Informationen sind auf einem Schallplatten-Etikett/Label üblich aber es sind nicht immer alle hier gelisteten

Informationen vorhanden :

  •  LP-Seite (z.B. Seite 1, Side A, Face A, a, B, usw.)  
  •  Interpret und Titel der LP-Seite
  •  manchmal auch die Produzenten, Studio-Ingenieure, Studio-Namen, Aufnahmeort etc. 
  •  Klangtechnik: Stereo/Mono  
  • Infos zur Aufnahmetechnik: DMM oder Direct Cut
  • Abspiel-Geschwindigkeit 33⅓, 45 und 78 [min−1]
  • Katalog-Nr. & Labelcode (LC)
  • Jahr 
  • Herstellungsland 
  • Right Society (GEMA, BIEN, STEMRA)
  •  i.d.R. kreisförmig an der Außenseite: die Informationen zu den Urheberrechten, manchmal auch das Herstellungsland (Made in Germany, Made in Europe, ... usw.).  Je nach Version ist der Text mehrsprachig (bei EU-Versionen) oder in der Sprache des Erscheinungslandes (Deutsch, Englisch, Französisch ...) 

 

Weitere Quellen:
- Bildband "Labelkunde Vinyl" (Schwarzkopf  & Schwarzkopf Verlag) mit 4.500 Labels, leider extrem teuer!

- Artikel in Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Schallplatten-Etikett

 

1. Beispiel: Warner Bros. Records

2. Beispiel: CHARISMA

Ende 1972 wechselte CHARISMA vom "Pink Scroll"-Etikett zum oben gezeigten "Mad Hatter"-Etikett, eine Anlehnung an den Hutmacher aus "Alice's Adventures in Wonderland". Von diesem Etikett entstanden im Lauf der Jahre 6 unterschiedliche Varianten, mit Änderungen bei der Grahhik (z.B. ohne Hase und Katze) als auch Änderungen bei den Hinweisen zum Vertrieb & Produktion. Entworfen wurden die Etikette von den Designern Paul Whitehead (er war  auch als Cover-Designer tätig beispielsweise für Genesis. Von der Graf Generator, Peter Hammill und Lindisfarne ) und Glen Christensen.   

 

3. Beispiel (stereoplay-Marifon)

 

Kleine Foto-Serie interessanter Schallplatten-Labels:

 

Praxistipps zum Label:

Die Labels sind i.d.R. aus Papier und daher empfindlich gegenüber Feuchtigkeit.
Daher ist bei Reinigung mit Reinigungsflüssigkeiten unbedingt darauf zu achten, dass das Label abgedeckt (geschützt) ist. Ansonsten kann es zu  partielles Aufquellen des Papiers kommen, sogenannte Feuchtigkeitsrändern bzw. zu Wasserflecken.

 

Wenn ein Label mit Filzstift oder Kugelschreiber beschriftet oder gestempelt wurde, dann bitte das so lassen. Meine Erfahrungen haben gezeigt,  das die Versuche diese Beschriftungen zu beseitigen, bisher immer misslungen sind. Die Labeloberfläche sah danach nicht gut aus. 

 

1.5. - Gimmicks auf Schallplatte

Es gibt Schallplattenalben bei dem eine Seite der LP (häufig bei DoLPs) keine Tonrille hat und man stattdessen

großflächig eine Graphik eingeätzt wurde.

 

Hier Beispiele von GenesisCalling All Stations  und Jethro TullThe String Quartets jeweils auf der 4. Seite des DoLP (s. Foto 1-3)

 

Bild 4 zeigt eine Schallplatte mit einem rotierenden 3-D Hologramm. Das Hologramm befindet sich auf dem Soundtrack-Album zum Star-War-Film The Force Awaken von 2016 (mehr Infos zum Album auf discogs. Auf YouTube gibt es eine Präsentation des Albums und eine Demo zu den Hologrammen: klick HIER).

 

Bild 5 zeigt eine Schallplatte mit einem Label in Übergröße (170 mm im Durchmesser statt der üblichen 100 mm)

 

HINWEIS:

Mehr Informationen zu Gimmick-Schallplatten gibt es im Lexikon im Kap. 7 Gimmick-Alben (klick HIER) bzw. im Kap. 

7.2 Gimmick-Discs (klick HIER). 

1.6. - Die Picture Discs

Eine besondere Variante der Schallplatte ist die sogenannte Picture Disk. Meist steckt hier die LP in einer Klarsichthülle und auf der Schallplatte befindet sich eine Graphik oder ein Foto. Auch die Album-Informationen (Liner Notes) befinden sich direkt auf der Schallplatte. 

 

Weltweit die erste Rock Picture Disc war 1969 ein deutsches Album von Elektra/Metronome Psychedelic Underground - Off II Hallucinations. Im Jahr 1970 folgte eine weiter Picture Disc der britischen Band Curved Air mit Namen Airconditioning.

 

Meines Wissen war weltweit die erste abspielbare Picture-Disc (Bild-Schallplatte) eine deutsche Schallplatte aus der Nazi-Zeit (1933) mit einem Portrait von Adolf Hitler auf der Platte und beinhaltete Ansprachen von ihm aus dieser Zeit; mehr dazu klick HIER.

 

Die Geschichte, Entwicklung und weitere Informationen zur Picture Disc findet man u.a. auf Wikipedia:

klick HIER (englisch) oder HIER (deutsch)

 

Tipp:

- Eine große Auswahl an Picture Discs kann man sich auf dem Portal coloredvinylrecords.com anschauen. 

- Im MINT-Magazin Nr. 17 (01/2018) ist ab Seite 36 ein Sammler-Portrait/-Bericht zum Thena  Picture Disc & Shapes
   nachzulesen (https://www.mintmag.de/magazin/17)

 

1.7. - Die Schallplatten-Formate

1.7a - Die Langspielplatte (LP)

Hier mal ein Vergleich einer Schellack-Platte aus den 1930er zu einer Vinyl-Schallplatte aus den 1970er. Beide Platten stammen aus dem Hause ELECTROLA. Der Durchmesser der Schelllack-Platte beträgt ca. 25cm (10 Zoll) und bei der Vinyl-LP beträgt der Durchmesser ca. 30cm (12 Zoll).

 

 

Hier der Größenvergleich zweier Vinyl-Langspielplatten aus dem Hause POLYDOR. Die kleinere LP stammt aus den 1960er Jahren mit einem Durchmesser von 25cm (10Zoll)) und die größere LP (aus den 1970er Jahren) hat das heute noch gängige Langspielplatten-Format von 30cm (12 Zoll).  Dementsprechend haben auch die Innenhüllen und die Cover unterschiedliche Größenformate

(Die hier gezeigten Exemplare stammen alle aus meiner Sammlung). 

1.7b. - 7"-Single

Im allgemeinen Sprachumgang ist mit dem Begriff Single die 7"-Single gemeint. Auf der A-Seite befindet sich das musikalisch interessantere Stück und auf der B-Seite gab es eine Zugabe. Die Abspielgeschwindigkeit unterscheidet sich von der LP und beträgt 45 rpm. Es gibt auch die sogenannte Maxi-Single (12"-Format ebenfalls mit 45 rpm).  

Die 7"-Single ist nach wie vor ein beliebtes Sammelobjekt. Ich habe Vinyl-Sammler kennengelernt, die ausschließlich 7"-Singles sammeln.

 

Das Format entspricht 175 mm im Durchmesser und in der Mitte ist eine Lochung mit 38 mm Durchmesser. Die Lochung ist umringt von einem Schallplatten-Etikett von 92 mm Durchmesser. Die große Lochung stammt noch aus der Zeit wo Singles in Musikboxen abgespielt wurden und die Musikbox-Mechanik besser auf dieses Größe abgestimmt werden konnte. Daher benötigt man zum Abspielen auf einem handelsüblichen Plattenspieler einen Puck oder Adapter der in die Single-Lochung eingeklemmt wird. Es gibt aber auch Singles die, wie bei der LP,  in der Mitte ein Zentrierloch (7,24 mm Durchmesser) besitzen. Die 7"-Single hat ein Musikstück auf der A-Seite und ein Musikstück auf der Rückseite, die sogenannte B-Seite. Natürlich wurde das beliebtere Stück auf die A-Seite gepresst.   

 

Die Cover / Cover-Art ist wie bei einem LP-Album sehr vielfältig. Die meisten Cover sind komplett geschlossen. Es gibt auch auch viele Single-Cover die beidseitig einen runden Ausschnitt haben, damit man sofort das Etikett lesen kann. Zumeist waren diese Cover nur mit Infos der Plattenfirma bedruckt oder ganz neutral einfarbig.    

 

Interessanterweise werden heutzutage immer noch Singles produziert, wenn auch in sehr kleinen Stückzahlen. 

Manchmal sind die 7"-Singles Beigaben bei neuen Alben (z.B. als Limited Edition o. DeLuxe-Edition). Jüngere Beispiele:

Deep Purple - Infinite  (GER. 2017, klick HIER) oder eine Sonderausgabe von Kraftwerk -  Die Roboter (GER 2017, Exklusivausgabe der Zeitschrift Musikexpress - klick HIER). 

 

 

7"-Flexi-Disc-Single

Ein Sonderformat der 7"-Single ist die Flexi-Disc (klick HIER oder HIER). Hierbei handelt es sich um eine sehr dünne Variante der Single. Die Tonrille ist einseitig auf eine Kunststofffolie gepresst.Die Rückseite ist blank. Der Einsatz der Flexi-Disc diente primär zu 

Werbung und wurde oftmals als Promo-Beilage in Musikmagazine beigelegt. Diese Art der Werbung gab es noch bis weit in die 80er-Jahre. So wurde beispielsweise im Jahr 1987 vom Album BAD von Michel Jackson in Holland eine 7"-Flexi-Disc-Promo-Version herausgebracht (klick HIER).  In discogs.com sind ca. 23.500 unterschiedliche Flexi-Discs-Ausgaben registriert.    

 

7"-Singles und diverse Single-Adapter:

Übersicht aller Schallplatten-Formate 

 

7" (7inch / 7-Zoll) Vinyl-Single

Die legendäre "kleine" 17,5 cm Single-Schallplatte im 7inch-Format hat standardmäßig auf jeder Seite einen Titel. Sie hatte ihre goldenen Zeiten in den 1960 bis 1980er Jahren. In den 50er und 60er Jahren beeinflussten ihre Einsätze in den Musikboxen von Kneipen und Cafés die damaligen Charts.

 

10" (10inch /10 Zoll) Vinyl-Single

Die "mittelgroße" 25 cm Single / EP / LP Schallplatte im 10inch Format stammt meistens aus den 50er und 60er Jahren. Die mehr oder weniger erfolglose "Zwischenlösung" ist heute ein begehrtes Sammlerstück!

 

12" (12inch / 12 Zoll) Maxi Vinyl-Single

Die kultige "große" Vinyl-Single startete Ende der 70er Jahre als Super-Sound Single. Sie wollte es ermöglichen, das der Musikfreund sich überlange Discohits von bis zu 12 Minuten Dauer auch ohne "Plattenwechsel" privat anhören konnte. Viele seltene Remixe alter Songs gibt es bis heute nur auf diesen Originalpressungen!

 

LP (12" /12inch / 12 Zoll)

Die "große" normale Schallplatte im herkömmlichen 12inch Format.

 

PD (Picture Disc)

Die Picture-Disc Vinyl-Schallplatte kommt optisch als eine Art "Bildplatte" daher. Sie erscheint meistens als Sammlerstück in kleiner Auflage. Es gibt sie in allen drei  Formatgrößen

 

Shapes / PDS (Picture Disc Shape)  

Noch etwas extravaganter ist die Picture-Disc-Shape Schallplatte. Sie ist nicht nur bedruckt sondern verfügt auch über ein besonderes Format (dreieckig, rechteckig etc.). Sie ist zwar abspielbar, gilt aber vor allem als Sammlerstück

 
Weitere Quellen zum Thema "Formate":

discogs.com guideline format:  https://www.discogs.com/de/help/doc/submission-guidelines-release-format

https://www.yoursoundmatters.com/vinyl-record-types-a-brief-overview/

 

 

1.8. - Klangtechniken der Schallplatte (Mono, Stereo, Quadrofonie, Kunstkopf/Binaural)

Mono, Stereo, Quadrofonie, Kunstkopf-Stereofonie/Binaural

Die Schallplatte mit ihrer V-förmigen Tonrille und der Flankenschrift, ist in der Lage, Ton (Musik, Sprache, Geräusche) in unterschiedlichen Klangtechniken zu speichern. Dabei wird die dazu notwendige Klanginformation in die Master-Folie (Ur-Matrize) geschnitten, die Schallplatte(n) damit gepresst (vereinfachte Darstellung) und  beim Abspielen durch die Abtastnadel/Tonabnehmer in elektrische Signale umgewandelt. Letztendlich werden dann die diese Signale in den Verstärkern als Mono-Stereo-, Quadrophonie- oder gar Kunstkopf-Tonsignal umgewandelt, verstärkt und an die Lautsprecher oder Kopfhörer weitergeleitet.

 

Vereinfacht ausgedrückt:

Die Schallplatte besitzt die vom Schneidstichel eingravierte Tonrille, die durch das Tonabnehmersystem beim Abspielen in elektrische Signale umgewandelt wird. Die Schallplatte selbst besitzt keine weiteren Informationen zur Klangtechnik (lediglich nur das was in der Flankenschrift links und rechts auf der V-Rille "eingraviert" wurde), denn die eigentliche Signalaufbereitung erfolgt durch die Verstärker (Entzerrvorverstärker --> Vorverstärker& Klangregelung --> Endstufe --> Lautsprecher/Kopfhörer).

 

Die folgenden Begriffe aus der Elektroakustik beschreiben die unterschiedliche Aufnahme- und Wiedergabe-Verfahren,

die bei der Vinyl-Schallplatte zu Anwendung kommen:

 

MONO / MONOFONIE

Die ersten frühen Aufnahmen auf Schellack und dann auch in den Anfängen der Vinyl-Schallplatte waren alle 

Mono-Aufzeichnungen, d.h. der Ton wurde auf einer Tonspur komplett zusammengefasst  klick HIER (Wikipedia)

 

STEREO/STEREOFONIE

In den 60er Jahren wurde dann nach und nach die Monofonie durch die neue Stereo-Technik abgelöst. Ältere Mono-Aufnahmen wurden dann sogar teilweise durch Pseudo-Stereofonie (s.u.) neu veröffentlicht. Auch wurden eine zeit lang 

vielen Alben parallel in Mono und in Stereo veröffentlicht (z.B. von Elvis Presley, den Beatles, Rolling Stones usw.).

 

Bei der Stereofonie wurden zunächst Aufnahmen mit zwei oder mehreren Mikrofonen in links/rechts-Position gemacht, später aber dann doch mit zusätzlichen Mikrofonen für die Raummitte aufgezeichnet und abgemischt. Ziel der Stereofonie war mit zwei Lautsprechern eine möglichst räumlich gestaffelte Wiedergabe (ein Stereo-Panorama) zu erreichen   klick HIER (Wikipedia).

 

PSEUDO-STEREOFONIE

In den 60er/70er Jahren wurde bei der tontechnischen Aufarbeitung alter Monoaufnahmen die Pseudo-Stereofonie

in den Tonstudios eingesetzt. Dazu hat man entweder die Tonbandspuren (sofern noch verfügbar) auf zwei Kanäle aufgeteilt

(ich kenne Aufnahmen, da ist hört man die Instrumente und den Gesang komplett aufgetrennt und verteilt auf die beiden Lautsprecher, z.B. Sänger komplett auf rechten Lautsprecher und das Schlagzeug z.B. kommt vom linken Lautsprecher usw.). Eine andere sehr verbreitete Methode war die Erzeugung eines künstlichen Stereo-Panoramas durch Klang und Frequenz-Modulationen zu erreichen.

 

 

 

QUADROFONIE

 

 

Bei der Quadrofonie (Ende der 60 bis Anfang der 80er) hat man versucht einen möglichst realen Raumklang mit Hilfe von vier Lautsprechern zu erzeugen. 

Vinyl-Album Wallenstein-Cosmic Century (1973) in Quadro
Vinyl-Album Wallenstein-Cosmic Century (1973) in Quadro

Der Ton wurde auf vier Kanäle verteilt, dann für zwei Spuren kodiert (Stereo) und bei der Wiedergabe in einem Quadrofonie-Verstärker (oder vorgeschalteten Decoder) wieder auf die vier Kanäle dekodiert. Schallplatten (aber auch Tonbänder) die für die Wiedergabe in Quadrofonie erstellt worden sind, sind mit Hinweisen speziell gekennzeichnet. Interessanterweise gibt es verschiedene Kodier-/Dekodier-Verfahren (z.B. QS , SQ und CD4), wie man die 4 Kanäle auf die Stereo-Schallplatte bringt und dann wieder in die vier Kanäle aufspaltet.

 

QS = Quadraphonic Stereo, von Sansui entwickeltes Matrix-Verfahren für Schallplatten und Kassetten

SQ = Stereophonic / Quadraphonic, von Sony und CBS entwickeltes Matrix-Verfahren für Schallplatten und Kassetten

CD4 = kompatible diskrete Quadrophonie, Verfahren für die Schallplatte, entwickelt von JVC, auch QuadraDisc genannt

 

 

Beispiel:

Sehr pfiffig gemacht war beispielsweise das CD4-Verfahren von JVC, bei der die beiden hinteren Kanäle (gemeint sind die Musikkanäle für die hinteren der vier Lautsprecher) mit einer Trägerfrequenz von > 30KHz  eingeprägt (also in dem nicht hörbaren Frequenzbereich). Daher sind diese Patten mit normalem Equipment in Stereo abspielbar. Wenn man diese Patten in CD4-Quadro hören möchte, muss man einen Tonabnehmer einsetzen, der 50kHz übertragen kann. Zusätzlich benötigt man eine Nadel mit hyperelliptischen Schliff (z.B. Audio Technica AT20SLa, Denon DL 160 usw.), mit dem sog. Shibata-Schliff und zwischen Plattenspieler und Quadrofonie-Verstärker wird ein spezieller CD4-Demodulator geschaltet. Dieser erkennt die 30 kHz und demoduliert das Signal beim Abspielen für die beiden hinteren Kanäle (Lautsprecher).

 

Mehr Details über Quadrofonie  klick HIER (Wikipedia) oder Quadro-Fan-Seite (K. Hönemann) inkl. Quadro-Wiki 

klick HIER.

 

 KUNSTKOPF-STEREOFONIE/BINAURALE TONAUFNAHME

In den 70er Jahren war man auf der Suche wie man den Klang einer Aufzeichnung möglichst naturgetreu wiedergeben kann. So kam es zur Idee, zwei Mikrofone in einen künstlichen Kopf (daher der ursprüngliche Name Kunstkopf-Stereofonie) zu platzieren und darüber hinaus diesen Kopf mit künstlichen Ohren auszustatten und genau in der Position des Gehörgangs 

Mikrofone zu positionieren. Somit nehmen die Mikrofone den Klang nahezu mit den gleichen physikalischen Umgebung

auf, wie es vom menschlichen Ohr wahrgenommen wird. Das funktioniert aber nur unter bestimmten Voraussetzungen sehr gut. Zum einen ist zu beachten, dass man nur mit zwei Mikrophonen aufzeichnet, die sehr dicht bei einander sitzen

(daher funktioniert dieser Effekt eigentlich nur wirklich gut bei einer kleinen Besetzung, d.h. wenige Musiker) und bei der Wiedergabe sollte ein Kopfhörer getragen werden (Kopfhörer-Stereofonie).

 

Mehr Details zu diesem Thema findet man auf Wikipedia   klick HIER

 

Sonstiges Techniken

Ich kenne zwei Industrie-Projekte bei dem zum einen auf der Schallplatte auch Videoaufzeichnungen abgespeichert werden sollen und ein Projekt aus Österreich, wo man versucht Tonsignale mit Laser in digitaler Form in Tonrillen "einzugravieren"

und dann mit einem Laser wieder auszulesen.

 

1.9. - RIAA/RIAA-Kurve

 

RIAA bedeutet Recording Industry Association of America und ist in etwa vergleichbar mit der deutschen GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte). Die RIAA wurde im Jahr 1952 ursprünglich gegründet um einen Standard für klanglich hochwertige Schallplatten zu schaffen. Ein Standard ist die sogenannte RIAA-Kurve. 

Vereinfacht ausgedrückt, bedeutet die RIAA-Kurve ein Veränderung der tiefen und hohen Frequenzen.

 

Hier der Erklärung der Gründe warum und wie man das macht:

 

Aufnahme (Recording)

Die tiefen Töne werden bedämpft, damit die Rillenbreite beim Folienschnitt nicht zu groß wird , denn sonst wurde weniger Musik (Spiellänge) auf die Schallplatte passen. Die Höhen wiederum werden angehoben, damit die leisen Höhen nicht vom Rauschen der Abtastnadel  (Nadel-Rillenwand-Rauchen) überdeckt werden. Somit das Frequenzband in beim Plattenschnitt durch eine definierte Schneidkennline verändert.   

Wiedergabe (Playback)

Die Dämpfung der Tiefen und die Anhebung der Höhen muss beim Abspielen der Schallplatte wieder ausgeglichen werden (diese nennt man in der Fachsprache Deemphasis).  Das ist über den Frequenzgang genau die entgegengesetzte Modulation des Frequenzbandes, d.h. die Bässe werden verstärkt und die Höhen werden wieder abgesenkt. Die Umwandlung (DE-Emphasis) beim Abspielen der Schallplatte erfolgt dabei im Phono-Vorverstärker früher häufiger mit Entzerr-Vorverstärker bezeichnet.  

 

Mehr Details zu diesem Thema findet man in Wikipedia:

- RIAA: https://de.wikipedia.org/wiki/Recording_Industry_Association_of_America

- Pre-Emphasis/De-Emphasis:  https://de.wikipedia.org/wiki/Pre-Emphasis

- Entzerrvorverstärker/Phonoverstärker/Phono-PreAmp: https://de.wikipedia.org/wiki/Entzerrvorverst%C3%A4rker

 

1.10. - Direct Metal Mastering (DMM)

 DMM (Direct Metal Mastering; spezielles Herstellung- bzw. Pressverfahren von TELDEC)   

 

Ich zitiere aus der Homepage der Firma "TonSchallRaum GmbH",  die sehr prägnant das DMM-Verfahren beschreibt

(klick HIER). 

"...

Direct Metal Mastering (DMM) ist das Warenzeichen der ehemaligen Schallplattenfirma Teldec für ein 1981 eingeführtes Verfahren zur Schallplattenherstellung. 

Mit dem DMM-Verfahren optimierte Teldec den Prozess zur Herstellung von Schallplatten und machte mehrere bisher übliche Zwischenschritte zur Erstellung der Pressmatrize überflüssig. Beim DMM wird die Schallrille direkt mit einem Diamanten in einen Kupferrohling geschnitten. Von diesem Kupferrohling (auch DMM-Masterfolie genannt) wird dann die Pressmatrize ohne weitere Arbeitsgänge hergestellt. ... (Anmerkung: Bei der Erstellung einer Pressvorlage (im Lackschnitt-Verfahren sind 3 Kopierschritte nötig, um von der Lackfolie eine Pressmatrize zu erhalten, im DMM-Verfahren ist nur 1 Kopier-Schritt nötig) ... Der Vorteil dieses Verfahrens liegt neben dem Zeitgewinn vor allem in einer geringeren Fehleranfälligkeit. DMM-Schallplatten haben keine störenden Vorechos oder Höhenverluste, bieten eine längere Spielzeit und haben erheblich weniger Nebengeräusche. Somit erreichen DMM-Schallplatten eine viel höhere Klangqualität.  

..."

 

Einige Beispiele von DMM-Schallplatten:

Herbert Gröneymeyer - 4630 Bochum,  Queen - The Works, The Allan Parson Project - Ammonia Avenue, Peter Maffay - Lange Schatten, Maruius Müller-Westernhagen - Live, Crowded House- Crowded House, David Bowie - Never Let Me Down, Anyone's Daughter - Neue Sterne, Christopher Cross -Another Page, ...

 

1.11. - Half Speed Recording / Half Speed Mastering

Half Speed Recording  war eine Schneide-Technik bei der Herstellung der Master-Matrize. Dies führt zur Verbesserung der Tonqualität beim Abspielen der Schallplatte. 

 

Wie funktionierte Half Speed Recording?

 

Die herkömmliche Schneidetechnik

Die Tonrillen herkömmlicher Langspielplatten werden mit 33 1/3 Umdrehungen/Minute in die Master-Matrize geschnitten. Matrizen schneiden ist ein sehr komplexer elektromechanischer Prozess, denn aus den elektronischen Klanginformationen, des Master-Tape, werden in Echtzeit die Steuersignale generiert, verstärkt und an die Elektromechanik des Schneidestichel weitergegeben. Konsequenter Weise stößt man bei sehr hohen Frequenzen an die Grenzen der Klangtreue, bedingt durch die Massenträgheit des Schneidestichels und der benötigte Kraft zum Schnitt der Kupferfolie bzw. Lackfolie. Der Schneidestichel soll ja möglichst verlustfrei und ohne Verfälschungen die Klanginformation in die Tonrille hinein-modulieren (schneiden).  

 

Half Speed =  Schneiden mit 16 2/3 Umdrehungen/Minute 

Beim Half Speed Recording wurde die Schneidapparatur mit einer geringerer Geschwindigkeit, nämlich mit 16 2/3 Umdrehungen/Minute, statt der üblichen 33 1/3 Umdr./Minute angetrieben. Die Schnittgeschwindigkeit wurde also genau halbiert und daher kommt auch die Bezeichnung Half Speed Recording. Das hat natürlich zur Konsequenz, dass das Master-Tape ebenfalls mit halber Geschwindigkeit abgespielt werden musste. Somit hatte der Schneidestichel ein Viertel mehr Kraft und mehr Zeit, die Klangsignale noch exakter in die Master-Matrize zu schneiden, dass zu einer wesentlich verbesserten Modulation führte. Der Schneidstichel ritzte somit die Klangänderungen viel genauer in die Rillen. Daraus resultierte ein genauerer Frequenzgang, es entstanden weniger Verzerrungen, ein besseres Einschwingverhalten und das Ergebnis war mehr Dynamik. Somit ist beim Abspielen einer Half-Speed-Platte die Klangreproduktion noch dichter am Original, als bei Schallplatten, die mit herkömmlich geschnittenen Matrizen gepresst wurden. 

 

Im Half-Speed-Verfahren waren auch komplexe und laute Passagen besser in der Tonrillen abbildbar. Normalerweise werden Schneidvorgang Begrenzer und Kompressoren eingesetzt, die den Frequenzgang einschränken. Dadurch wird beim Rillenschneiden Platz auf der Matrize eingespart (somit passt mehr Musik auf die Matrize/Schallplatte) aber auf Kosten der Dynamik und der Klangtreue. Der mögliche Verzicht auf Begrenzer und Kompressoren, zugunsten einer möglichst originalgetreuen Wiedergabe und Dynamik, war das Große Plus der Half-Speed-Technologie.

  

Warum wurden nicht generell die Master-Matrizen in Half-Speed-Technik geschnitten?

 

Die Tonträgerindustrie verzichtete damals aus ökonomischen Gründen, weil beispielsweise weniger Klanginformationen auf eine Schallplatte-Seite passten. Für den Massenmarkt war man nicht bereit, Mehrkosten für diese Art von Klangoptimierung dem normalen Plattenkäufer aufzubürden. Vielmehr hat man das Half-Speed-Recording als besonderes Leistungsmerkmal vermarktet und nur für audiophile Platten-Produktionen eingesetzt.  

 

Das Prinzip des Half-Speed-Verfahrens:

Eine Klangsignal im Half-Speed-Recording (links) und dann das gleiche Signal im Full-Speed-Playback (rechts). 

 

 

Historie des Half-Speed-Recording:

Bereits in den 1960er-Jahren hatte DECCA das Half-Speed-Verfahren u.a. in seiner SXL-Serie (Klassik-Alben) eingesetzt. Zum Ende der 1970er produzierte dann MFSL (Label aus den USA, klick HIER) einige audiophile Pressungen (mit dem Logo "Original Master Record") bekannter Alben in Half-Speed. Anfang der 1980er-Jahre folgte dann Columbia/CBS mit einer Staffel seiner bisherigen Besteller als audiophile Pressung in Half-Speed-Technik. Auch Label A&M (Canada) und Cube/Teldec (Deutschland)  brachten ebenfalls einige Alben als Half-Speed-Pressung auf den Markt. Aber all diese Versuche, Schallplatten in Half-Speed-Recording im großen Stil zu verkaufen blieben relativ erfolglos, sodass "Half-Speed-Schallpatten" nur von einer kleinen Gruppe von audiophilen Liebhabern gekauft wurden (Nieschenmarkt).

 

Heutige audiophile Pressungen (z.B. von Alto, Classic Record, Simply Vinyl, Speakers Corner) haben das Halfspeed-Verfahren mittlerweile durch eine andere Schneide-Technik abgelöst (wieder in Echtzeitschnitt aber mit verbesserter Equalisation). 

 

Beispiele von Half-Speed-Alben

Hier ein paar Beispiele von Half-Speed-Produktionen: 

- diverse MFSL-Produktionen, z.B. Allan Parson Project - I Robot (klick HIER)

- alle 15 Vinyl-Alben der Highlights-Serie der Zeitschrift stereoplay  von 1981-1984 (klier HIER)

-  Alben der audiophilen Serie von A&M Records (klick HIER), z.B. Supertramp - Breakfast in America (CAN 1979, A&M
   Records (klick HIER

- Blood Sweat and Tears - 2nd Album (USA 1980, Direct Disc Labs), klick HIER

 

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Weitere Quellen zum Half-Speed-Recording:

Interview von Miles Showell & Sean Magee (Master Engenieer) / Abbey Road Ton-Ingenieure:

http://www.musictech.net/2016/06/miles-showell-interview-half-speed-mastering/

https://www.youtube.com/watch?v=AjjgPVipuXc&t=517s

https://www.youtube.com/watch?v=_Xe_d-FAqtQ

https://www.youtube.com/watch?v=03ZyyfrEBnI

 

1.12. - Direktschnitt / Direct Disc Recording (direct-to-disc, direct-cut)

Foto: Charlie Byrd - Direct Disc Recording

Bereits zu Zeiten der Schellack-Schallplatten gab es Aufnahme-Maschinen mit denen man den Ton direkt in einen Rohling schneiden konnte. 

 

Bis heute werden Direktschnitt-Schallplatten produziert (z.B. im Emil Berliner Tonstudio), allerdings sind diese Produktionen sehr selten, da der Aufnahmeprozess sowohl für die Musiker als auch für den Toningenieure sehr aufwendig ist. 

 

Beim Direktschnitt-Verfahren wird der Ton bei der Aufnahme unmittelbar in den Master (Master-Matrize, Rohling aus Lackfolie oder Kupfer) geschnitten! Das bedeutet, dass jeder Fehler der Musiker mitgeschnitten wird und nicht mehr korrigiert werden kann. Auch der Tontechniker muss das Mastering-Pult vorab einstellen und die Schneidaparatur für den Mitschnitt justieren. Zu laute Töne würden einem zu großen Ausschlag des Schneidesichels verursachen. Daher muss die Schneidmaschine so vorjustiert werden, damit genügt Platz für die maximalen Rillenausschläge vorhanden ist. Zuviel Platz-Reserve könnte dazu führen, dass der gesamte Mitschnitt nicht auf die Platte passt.           


Ebenso muss die Positionierung der Musiker, der Mikrophone und auch die Mischpult-Einstellungen sorgsam vorbereitet werden, denn die gesamte Schallplatten-Seite wird in einem Durchgang geschnitten. Gelungene Direktschnitt-Aufnahmen zeichnen sich dadurch aus, dass die Direktschnitt-Schallplatte einen fantastischen Klang  produziert, der sehr nahe am Original ist! Allerdings wirken die Aufnahmen relativ "roh", den die übliche (nachträgliche) Abmischung des Toningenieurs entfällt hier gänzlich.  

 

Die vereinfachte Aufnahme-Konfiguration:

Musiker --> Mikrophon --> Mischpult/Mastering-Pult --> Vinyl-Schneidanlage

 

Beispiele von Direct-Disc-Alben:

- Charlie Byrd - Direct Disc Recording (USA 1977, 45 rpm, Crystal Clear Records), klick HIER

- Gino Dentie And The Family - Direct Disco (USA 1976, 45 rpm, Crystal Clear Records), klick HIER

- Direct Flight - Spectrum (USA 1977, Direct-Disc Labs), klick HIER

- The Phil Woods Quintet - Song For Sisyphus (USA 1978, Century Records), klick HIER

- weitere Beispiele findet man HIER

 

Weitere Quellen:

- Bericht der FAZ, 04.05.2013:  "Musik pur - ganz ohne Schummelei", klick HIER

- Wikipedia "Direct Disc Recording", klick HIER oder "Direktschnitt", klick HIER

- YouTube: Direct-To-Disc Recording, klick HIER

- YouTube: Chäte Live - direct2disc: klick HIER

- YouTube: "B. Smith talking about Direct-To-Disc Recording" (Emil Berliner Studios), klick HIER
- YouTube: "Hausbesuch bei den Emil Berliner Studios", klick HIER

 

1.13. - Mastering (Audio-Mastering)

Mastering ist die vorangehende Audio-Technik um aus dem Musikmaterial (Master Tape) den Vinyl-Master zu schneiden. 

Vom Vinyl-Master werden die Matrizen erzeugt, die dann zur Plattenfertigung (Pressung) benötigt werden. Zunächst wird eine Testpressung erstellt. Wenn das Ergebnis zufriedenstellend ist, kann die Massenproduktion beginnen. 

 

Weitere Info-Quellen zum Mastering / Vinyl Cutting:  

 

Wikipedia:

-  https://de.wikipedia.org/wiki/Mastering_(Audio)

 

Youtube:

- Vinyl Factory: https://thevinylfactory.com/features/analogue-digital-vinyl-mastering-interviews/

- Vinyl Factory: Sculpting Sound: The Art Of Vinyl Mastering: klick HIER

- Vinyl 101 - Preparing Your Release for Vinyl: klick HIER

 

 

Hintergrund-Story: https://www.soundandrecording.de/stories/interview-mit-mastering-engineer-bob-ludwig/

 

1.14. - Remastering / Remix (analog, digital)

Viele erfolgreiche Alben wurden/werden wieder veröffentlicht. Da sich mit der Zeit die Studio-Technik ständig weiterentwickelt nutzt man heutzutage zumeist die digitalen Systeme dazu die alten (originalen) Aufnahmebänder zu digitalisieren und die Musikstücke neu  "abzumischen".   

 

Beim Remastering (Nachbearbeitung) unterscheidet man im wesentlichen zwei Techniken: das Digital Remastering und das Analog Remastering. Wird das aus dem vorhandenen Musikmaterial neu abgemischt, dann spricht man von einem Remix 

(neu abgemischt). 

 

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Remastering

 

Digital Remastering  

Mit der Einführung der Compact Disc (CD) wurden oftmals die älteren Originalaufnahmen, die zumeist auf Bändern abgespeichert wurden, digitalisiert und dann für die Herstellung der CD neu aufbereitet. Im einfachsten Fall wurde 

das Master-Tape digitalisiert und das Album nahezu unverändert (es wird lediglich die Rauschanteile gefiltert) auf die CD übernommen

   

In einer zweite Variante werden die vorhanden Tonspuren (Aufnahmen) separat digitalisiert und Störgeräusche rausfiltert. Dann wird das Album komplett neu abgemischt. Dabei kann es vorkommen (meist beabsichtigt), dass der Toningenieur neue Schwerpunkte in der Zusammenstellung (dem Mix) der Tonspuren vornimmt. Das Ergebnis dieses Verfahren ist zum einen ein neuer "digitaler" (reiner) Klang in Verbindung mit einem etwas anderem Sound. Das Resultat wird dann mit der Bezeichnung "Digital Remastered"  oder "Digitally Remastered"  gekennzeichnet. Ob das so "neu" erstellte Album wirklich besser klingt ist eine Geschmacksfrage und hängt von der Ästhetik jedes einzelnen ab. 

 

Prominente Beispiele: Pink Floyd - Dark Side of the Moon  / Beatles - Sgt. Pepper Lonely Hearts Club Band ...

 

Analog Remastering (analoge Aufnahme, analog abgemischt, analoges Master Tape)

A)

Neuer Schnitt mit dem vorhandenen Analog Master Tape (Analog Master). Hierbei ist die Klangqualität am besten wenn man auf das Master Tape der 1. Generation zurückgreifen kann. Oftmals ist es nicht mehr verfügbar und man verwendet vorhandene Kopien des Master Tapes. Bei den Kopien des Master Tapes sind i.d.R. schon Klangverluste (Bandrauschen, Verlust an Dynamik durch Entmagnetisierung und Abnutzung etc.) vorhanden. Daher sind die klanglich die besten Reproduktionen erreichbar, wenn man auf das Master Tape der 1. Generation zurückgreifen kann. 

 

B)

Komplett neu analog remastered: aus dem ursprünglichen (archivierten) Rohmaterial wird komplett neu abgemischt (Remix) und daraus wird ein neues Master Tape erstellt mit dem dann wiederum ein ganz neuer Vinyl Master geschnitten (master cut). 

 

Info-Quelle:   

- Youtube: For The Record: All-Analog Mastering: klick HIER

 


weitere Quelle(n):               

Historie, Herstellung, Formate etc. alles auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Schallplatte